Autobahnbrücken für wilde Tiere

Grünbrücke
Grünbrücke über eine Bundesstraße Foto: NABU/Mathias Hermann

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie ganz normale Brücken. Aber wenn man oben steht, ist nichts mehr normal. Statt einer Straße oder einem Weg gibt es dort nur Gras, Gebüsch und kleine Bäume. Diese Brücke ist für die Natur gebaut worden. Rund um Berlin gibt es mehrere, zum Beispiel die Grün- oder Wildbrücke bei Teupitz, auf der Tiere die A 13 überqueren können. Oder jene, die die A 9 bei Niemegk überspannt.

Die richtige Breite der Wildbrücke ist wichtig

Die Idee der Wildbrücken ist nicht neu und der Bau selbst eine Wissenschaft für sich. Damit auch größere Tiere überhaupt bereit sind, sie zu benutzen, sollten sie 50 Meter breit und für den Sichtschutz ausreichend bewachsen sein. Für kleinere Tiere wie Feldhasen oder Dachse reichen auch einige Meter Breite. Angelegt werden die Grünbrücken an Wildwechseln.

Teuer, aber lebensrettend

Wer jetzt einwendet, dass eine solche Wildbrücke ordentlich Geld kostet (im Schnitt eine bis drei Millionen Euro), der hat natürlich Recht, aber er sollte bedenken, wie viele Wildunfälle es in Deutschland gibt. Fast 250.000 Wildtiere sterben pro Jahr bei Kollisionen mit Autos. Dabei wurden in den vergangenen Jahren im Schnitt 3000 Menschen verletzt und es gab auch Todesfälle. Die Schäden am Auto liegen bei mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr.

36 Wildbrücken gibt es in Deutschland

Ich habe gelesen, dass es in Deutschland 36 Grünbrücken gibt und ungefähr noch einmal die gleiche Zahl geplant ist. Das ist nicht wirklich viel, aber die Brücken bewirken schon eine ganze Menge – ich komme gleich darauf zurück. Autobahnen und Straßen durchschneiden nämlich Lebensräume der Tiere, die Grünbrücken verbinden sie wieder.

Dichtes Straßennetz verhindert Tierwanderungen

Man muss sich Deutschland vorstellen wie einen Flickenteppich aus Lebensräumen, die durch ein dichtes Netz aus Straßen begrenzt sind. Die natürlichen Wanderungen der Tiere werden gestört, was zu Inzucht führen kann und dazu, dass sich bedrohte Arten wie Luchs und Wildkatze nicht ausbreiten können. Deshalb fordert der Nabu die Einrichtung von Wildkorridoren, die sich von Nord nach Süd und von West nach Ost ziehen und an den natürlichen Wanderwegen der Tiere orientieren.

Viele Tiere nutzen die Wildbrücken

Eine sechsspurige Autobahn ist ein unüberwindliches Hindernis für Tiere. Wildschutzzäune verhindern immerhin, dass es Unfälle gibt. Aber das Problem lösen sie nicht. Hier kommt die Wildbrücke ins Spiel. Bei einem Bauwerk in Brandenburg wurden die Tierströme mal gezählt (Käfer und Spinnen, die die Brücke auch benutzen, nicht mitgerechnet…). Die Zahlen waren eindrucksvoll: Binnen eines Jahres wanderten etwa 2300 Wildtiere darüber, andere Bauten in wildreicheren Gegenden zählen gerne mal mehr als das Doppelte. Wenn also plötzlich mal eine Wildkatze in Brandenburg auftauchen sollte, könnte das an den Wildbrücken liegen.

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