Baldrian: Gegen Schlaflosigkeit ist ein Kraut gewachsen

Baldrian
Blühender Baldrian Foto: Silke Böttcher

Echter Baldrian ist eine der Pflanzen, die in der Natur oft übersehen werden. Dabei ist die Liste der Heilwirkungen so lang, dass das Gewächs eigentlich einen Doktortitel verdient hat!

Baldrian trägt weiße und rosafarbene Blüten

Die Pflanze wird ungefähr 70 Zentimeter hoch, hat große, gefiederte Blätter und doldig-rispige Blütenstände in weiß und zartrosa – und wer die Nase daran hält, der inhaliert den süß-intensiven Duft, den sie verströmen. Übrigens gehört Baldrian nicht zu den Doldenblütlern, auch wenn man das angesichts der Blütenschirme vermuten könnte. Er ist Teil einer eigenen Familie: der Baldriangewächse, von denen es weltweit ungefähr 250 Arten gibt.

Früchte mit Schirmchen

Blütezeit ist ungefähr jetzt, und der süße Duft der Blüten lockt Schmetterlinge und Bienen an. Später reifen die winzigen Früchte heran, die mit einem Schirmchen versehen sind und mit dem Wind, manchmal auch im Wasser verbreitet werden.

Eine Pflanze für feuchte Böden

Allzu häufig ist der Echte Baldrian nicht. Sehen kann man ihn auf feuchten Wiesen, an Bachufern und auf Lichtungen in nassen Wäldern. Die Pflanze liebt basenreiche Böden und wächst zum Beispiel in Nachbarschaft des Sumpf-Herzblatts und der Sumpf-Stendelwurz, die beide aber noch seltener sind.

„Valeriana“ ist schon lange als Heilpflanze bekannt

Schon seit Urzeiten wird der Echte Baldrian als Heilpflanze genutzt. Im antiken Griechenland und  war er Mittel gegen sehr viele Leiden, und auch die alten Römer kannten ihn und setzten ihn gegen Schmerzen und Krämpfe ein. Vielleicht trägt er auch deshalb seinen botanischen Namen Valeriana officinalis: Valeriana kommt von „valere“ (sich wohlfühlen).

Einsatz gegen böse Kräfte

Geheimnisvolle Kräfte wurden dem Baldrian nachgesagt. Ein Säckchen mit dem Kraut sollte das Böse abwehren und man sagte, er sei aus den Blutstropfen gewachsen, die vom gekreuzigten Jesus auf den Boden fielen. Hildegard von Bingen empfahl Baldrian als Heilpflanze gegen Gicht, und später kaute man sie während der Pest-Epidemien im zwölften Jahrhundert, um gesund zu bleiben.

Wichtiges Beruhigungsmittel

Eine der wichtigsten Wirkungen des Baldrians dagegen wurde erst verhältnismäßig spät entdeckt: Die Pflanze hilft gegen Unruhe und Schlafstörungen. Deshalb findet man sie heute oft in Mitteln, die beruhigend wirken. Verwendet werden vor allem die Wurzeln, in denen besonders viel von dem ätherischen Öl steckt.

Tee gegen Schlafstörungen

Gegen Schlafstörungen hilft eine Teemischung aus Baldrian, Hopfen, Melisse und Beifuß, die abends vor dem Schlafengehen getrunken wird. Die Wirkung setzt allerdings oft nicht gleich nach der ersten Einnahme ein – oft spürt man nach etwa zwei Wochen eine Besserung. Anders als Psychopharmaka macht Baldrian nicht abhängig und man wird auch nicht am Tage müde.

In der Apotheke gibt es Präparate, die Baldrian enthalten, man kann aber auch selbst Tee aus den Blüten oder den Wurzeln machen (aus Wurzeln hergestellt muss er zehn bis zwölf Stunden lang ziehen, wird dann abgefiltert und erwärmt). Ich habe allerdings gelesen, dass die im Baldrian enthaltenen Valepotriate in hoher Konzentration krebserregend sein können – mit einem fertigen Präparat ist man auf der sicheren Seite.

Warum Katzen Baldrian lieben

Übrigens haben Katzen eine echte Schwäche für Baldrian. Oder besser dessen Blütenduft (den manche Menschen gar nicht so angenehm finden).  Sie werden regelrecht von ihm angelockt. Von beruhigender Wirkung ist bei ihnen nichts zu spüren, im Gegenteil: Die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide wirken auf sie wie ein Aphrodisiakum…

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