Begegnung mit dem Schmalblättrigen Weidenröschen

Schmalblättriges Weidenröschen, Nachtkerzengewächs, Pflanze
Schmalblättriges Weidenröschen Foto: Silke Böttcher

Wo das Schmalblättrige Weidenröschen wächst, da färbt es manchmal ganze Hänge rosa – ein wunderschöner Anblick. Glücklicherweise ist die Pflanze, die auch als Waldweidenröschen bekannt ist, nicht selten. Was daran liegt, dass sie keine großen Ansprüche an ihren Lebensraum hat.

Das Weidenröschen kann sehr hoch werden

Meistens kommt man dem Weidenröschen nicht so nah, dass man die Blüten genau ansehen kann. Sie besteht aus vier rosafarbenen Kronblättern,vier schmaleren, etwas dunkleren Kelchblättern und mehreren langen, gebogenen Griffeln. Die Pflanze selbst kann locker 1,20 Meter hoch werden. Sie endet in der langen Blütentraube, darunter sieht man die langen, schmalen Blätter, die dem Schmalblättrigen Weidenröschen den Namen gegeben haben.

Die Samen fliegen per Schirm

Die Blütezeit des Weidenröschens ist zwischen Juni und August, und was anschließend geschieht, ist spektakulär: Nach der Bestäubung, zum Beispiel durch Bienen, bilden sich lange, schmale, rosafarbene Kapseln (auf dem Foto kann man das ein bisschen sehen) – und wenn die darin untergebrachten Samen reif sind, dann rollen sich die Kapseln kunstvoll auf und entlassen die Samen, die etwas mit Pflanzen wie dem Löwenzahn gemein haben: Sie hängen an haarigen Schirmchen, die dafür sorgen, dass sie bis zu zehn Kilometer weit vom Wind mitgetragen werden können. In dieser Zeit sieht man überall die weißen Haare im Gebüsch.

Ein Pionier auf Kahlschlägen und Brachen

Sehen kann man das Schmalblättrige Weidenröschen überall in Mittel- und Nordeuropa. Es ist eine der ersten Pflanzen, die sich auf Kahlschlägen ansiedelt – auch Lichtungen, die durch Waldbrände entstanden sind, liebt es (was ihm in Nordamerika den Spitznamen „fireweed“ – Feuerkraut – eingebracht hat), und auch auf Schutthalden, Brachen, an Hängen und Ufern mit nährstoffreichen Lehmböden wächst es gern. Bloß Kalk mag das sonnenliebende Weidenröschen nicht.

Heilpflanze und Salat-Zutat

Die zur Familie der Nachtkerzen-Gewächse gehörende Pflanze ist übrigens nicht nur sehr schön, sondern kann auch in der Küche genutzt werden. Verwendet werden die jungen Pflanzenteile, die man wie Spargel zubereiten kann. Die Blätter schmecken etwas säuerlich (das liegt am hohen Vitamin-C-Gehalt) und können auch als Tee genossen werden. Auch die Wurzeln kann man verwenden, sie enthalten viele Schleim- und Gerbstoffe. In der Naturmedizin wird das Schmalblättrige Weidenröschen gegen Prostata-, Darm- und Magenkrankheiten genutzt. Ganz andere Verwendung gab es früher: Aus den Samen machte man Kerzendochte und in Nordamerika nutzte man die Stängel-Fasern zur Herstellung von Schnüren.

Es gibt 200 Weidenröschen-Arten

Übrigens ist das Schmalblättrige Weidenröschen nicht die einzige Weidenröschen-Art. Weltweit gibt es beinahe 200 Mitglieder der Familie, die zwar allesamt rosa oder weiß blühen, ansonsten aber deutliche Unterschiede haben. In Deutschland wächst zum Beispiel auch das Kleinblütige Weidenröschen.

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