Besuch in Max Liebermanns Gartenparadies

Liebermanns Villa und ein Teil des Gartens Foto: Carsten Böttcher
Liebermanns Villa und ein Teil des Gartens Foto: Carsten Böttcher

In Zeiten, als man noch „Sommerfrische“ sagte und am Wochenende an den Rand Berlins fuhr, um sich in der Natur von der großen Stadt zu erholen, in diesen Zeiten kam der Maler Max Liebermann auf die Idee, doch gleich eine eigene Sommerfrische zu schaffen. Das war 1909. Er beließ es nicht bei einer schlichten Villa, in der er sein Atelier einrichtete, sondern ließ auch noch einen traumhaften Garten gestalten. Ein Paradies am Wannsee, mit Blumen-, Stauden- und Gemüsegärten, mit einer Blumenterrasse, Heckengärten und einem Pavillon am See. Einer meiner Lieblingsorte in Berlin.

Max Liebermann ließ sich vom Garten inspirieren

Wenn man den Garten betritt, dann hat man manchmal das Gefühl: „Das kenne ich doch von irgendwoher..?“  Und dann fallen einem die wunderschönen Gemälde ein, die der Künstler in ebendiesem Garten erschaffen hat. Gemälde, die die Blumenterrasse zeigen, den Weg, auf dem Birken wachsen, die Heckengärten…

Vom Wassersportzentrum zum Museum

Dass dieser Garten viele Jahre lang in einer Art Dornröschenschlaf lag, ist heute nicht mehr zu sehen. Aber ich muss ein bisschen ausholen: Nach dem Tod des jüdischen Malers und dem Freitod, mit dem sich seine Frau Martha der Deportation ins Konzentrationslager entzog,  wurde das Sommerhaus Lazarett, später  pachtete ein Wassersportclub das ganze Gelände. Der Garten verfiel. Hätte sich nicht 1995 die Max-Liebermann-Gesellschaft gegründet, die die Sommervilla und den Garten zum Museum machen wollte, hätte Berlin diesen besonderen Ort heute vielleicht längst vergessen.

Das Anwesen wurde originalgetreu wiederhergerichtet

Heute ist das Anwesen wieder hergerichtet, und zwar fast vollkommen originalgetreu. Im Haus wurde  Liebermanns Atelier wiederhergerichtet und es gibt regelmäßige Ausstellungen (zurzeit eine über Liebermann und Frankreich, bis 12. August). Und wer durch den Garten spaziert, kann sich vorstellen, wie der Maler mit seiner Staffelei vor den Hecken und Blumen stand und das Bild vor seinen Augen mit kräftigen Pinselstrichen festhielt.

Malkurse und ein Café in Max Liebermanns Garten

Ich weiß nicht, was mir mehr gefällt – die Gemälde oder der Garten? Vielleicht muss man sich auch gar nicht festlegen. Auf alle Fälle inspiriert das liebevoll gestaltete Grün auch heute noch Maler zu Höchstleistungen, anderen schenkt es Entspannung. Es gibt ein hübsches Museumscafé namens Café Max, und wer im Sommer kommt, der kann seinen Kaffee auf der Terrasse genießen, mit Blick auf die Blumenterrasse und den Wannsee.

Max Liebermann: Bummel durch sein buntes Paradies

Anschließend sollte man in Ruhe durch den Garten schlendern und sich die mit Bedacht angelegten Beete und die vielen versteckten Winkel des Gartenparadieses ansehen. Wer angesichts der Blütenpracht selbst malen (lernen) möchte, der kann einen der Kurse besuchen, die dort regelmäßig angeboten werden.

Adresse: Colomierstr. 3, Wannsee. Anfahrt: S-Bhf. Wannsee, von dort mit dem Bus 114 in Richtung Heckeshorn bis Station Liebermann-Villa. Wer mit dem Auto kommt, kann es auf dem Parkplatz an der Ecke Am Großen Wannsee/Heckeshorn abstellen, vor der Villa gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten. Öffnungszeiten: April bis Sept., tgl. außer Di, 10-18 Uhr, Do und So bis 19 Uhr; Okt. bis März, tgl. außer Di, 11-17 Uhr. Karten kosten 8, erm. 4 Euro. Info: www.liebermann-villa.de

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