Blühender Winter

Wenn es draußen so richtig kalt wird, dann blüht sie auf. Buchstäblich. In der Zeit, in der man jeder Farbe hinterherläuft, weil alles so grau ist in Berlin, bildet die Zaubernuss ihre zarten gelben oder roten Blüten, die so aussehen wie aus schmalen Papierstreifen zusammengebastelt. Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich tatsächlich, da hätte jemand etwas an die Zweige gehängt. 

Die Zaubernuss lässt die Samen fliegen

Warum die Zaubernuss so heißt, wie sie heißt,  weiß ich nicht ganz genau. Die Engländer und Amerikaner nennen sie jedenfalls fast genauso: Witch Hazel (Hexenhasel)  – mit der Hasel hat sie allerdings botanisch nichts gemeinsam. Vielleicht nennt man sie Zaubernuss, weil ihre Zweige als Wünschelrute verwendet werden. Oder weil ihre holzigen Samenkapseln ein knackendes Geräusch machen, wenn sie reif werden und aufreißen. Was dann passiert, ist erstaunlich: Die Samen werden mit viel Wucht ziemlich weit  weggeschleudert. Zehn Meter schaffen sie locker. So stellt die Pflanze sicher, dass der Nachwuchs ausreichend Abstand hat.

Heilmittel gegen Hautbeschwerden

Und ein bisschen zaubern kann die Pflanze, die zum Beispiel im Arzneipflanzengarten des Botanischen Gartens wächst, tatsächlich. Ihre Blätter und die Rinde enthalten ätherische Öle und andere Stoffe, die man in der Naturmedizin und in der Kosmetik verwendet – und jetzt kommt der botanische Name der Zaubernuss ins Spiel, der viel bekannter ist als der deutsche: Hamamelis. Das steht auf vielen Pflegeprodukten, die gegen trockene Haut, schlecht heilende Wunden oder Neurodermitis helfen. Der Name, der sich aus den griechischen Wörtern“ hama“ (zur gleichen Zeit) und „melon“ (Frucht)  zusammensetzt, verrät noch etwas Ungewöhnliches: Blüten und Früchte der Hamamelis sind zur gleichen Zeit reif. Und das ist ja auch wieder ein bisschen Zauberei. Noch dazu im Winter.

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