Brutzeit bei den Berliner Vögeln

Kohlmeise Foto: Eberhard Müller
Kohlmeise Foto: Eberhard Müller

Im Park bei mir um die Ecke herrscht im Moment Hochbetrieb. Nicht unbedingt auf der Erde, aber in den Zweigen der Bäume. Überall sind Vögel unterwegs – auf der Suche nach Ästchen und Blättern für ihre Nester. Die Brutzeit beginnt.

Brutzeit bei Tauben und Raben im Park

Direkt gegenüber der Bushaltestelle hat sich im Efeugestrüpp, das sich um eine alte Robinie windet, eine Taube häuslich eingerichtet. Alle paar Minuten fliegt sie aus dem Gestrüpp heraus und kehrt wenig später mit dem Schnabel voller Zweige zurück. Bei ihr steht die Brutzeit kurz bevor. Auch die Park-Raben sind mit dem Nestbau beschäftigt. Gestern trug einer der beiden einen Zweig im Schnabel, der länger war als er selbst.

Balz mit Prachtgefieder

Andere Singvögel (das Foto zeigt eine Kohlmeise) sind noch dabei, einen Partner zu suchen. Viele Arten schmücken sich dafür mit einem Prachtgefieder, das nur dafür da ist, die Weibchen zu beeindrucken. Die männlichen Stockenten zum Beispiel tragen dieses Gefieder mit der grünen Kopffärbung nur während der Balz und der Paarung, später wechseln sie wie viele andere Vogelarten zum unauffälligeren Schlichtkleid, das sie vor Räubern schützt. Auch beim Buchfink und dem Gartenrotschwanz ist das Prachtkleid deutlich bunter, während das Rotkehlchen und der Gimpel ihre Farben auch nach der Paarungs- und Brutzeit behalten.

Gesang soll die Weibchen beeindrucken

Viele Vogelarten setzen auch auf ihre Stimme.  Womit denn auch erklärt wäre, warum man im Frühling so viel Vogelgesang hört. So sehr wir Menschen das Gezwitscher lieben – gemeint sind nur die Weibchen. Zu den begabtesten Sängern gehört die Nachtigall, die zur Balzzeit auch am Tage singt, und dafür ihr Repertoire aus bis zu 260 Strophenarten voll ausschöpft. Der Haussperling hat noch einen Trick auf Lager.  Das Männchen hat nämlich schon den  Platz für die Brutzeit ausgesucht und versucht jetzt, mit seinem Gesang ein Weibchen aufmerksam zu machen. Die größten Chancen hat er, wenn ihr der Nistplatz gefällt.

Eindrucksvolle Balztänze

Bei den einen ist es der Gesang, bei den anderen der Tanz: Der Balztanz der Kraniche zum Beispiel gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die man sich vorstellen kann. Weihen und andere Greifvögel tanzen am Himmel – sie vollführen rasante Sturz- und Wellenflüge.

Ein Brautgeschenk für die Auserwählte

Es gibt sogar Vogelmännchen, die ihrer Auserwählten ein Brautgeschenk machen: Der Eisvogel zum Beispiel bringt einen Fisch, der Turmfalke schon mal eine Maus. Mit den Geschenken will das Männchen beweisen, dass es den Nachwuchs später ausreichend mit Nahrung versorgen kann.

Der Nestbau beginnt

Nach der Paarung beginnt der Nestbau, den man gerade überall in Parks beobachten kann. Ästchen und Moos werden zu kunstvollen Gebilden geformt  – hoch oben in Bäumen (Greifvögel) oder an Häusern (bei den Schwalben). Manche Vögel wählen kuriose Orte zum Brüten: Immer mal wieder suchen sich Stockenten Blumentöpfe auf Balkonen als Kinderstube aus.

Katzen gefährden den Vogelnachwuchs

Auch auf dem Boden oder in Büschen werden Nester gebaut. Die sind dann allerdings besonders gefährdet, denn Katzen und andere Fressfeinde können sie problemlos erreichen. Gartenbesitzer sollten deshalb ihre Katze während der Brutzeit  der Singvögel lieber im Haus behalten.

Während der Brutzeit bitte keine Büsche beschneiden

Ebenso wichtig: Solange die Vögel brüten, ist das Beschneiden von Hecken und Gehölzen tabu. Auf öffentlichem Gelände ist der Beschnitt zwischen 1. März und 30. September nach dem Bundesnaturschutzgesetz (Paragraph 39) verboten, es sei denn, es sind schonende Form- und Pflegeschnitte. Bei Gärten gilt das Gesetz nicht, aber naturliebende Gartenbesitzer sollten trotzdem auf das Beschneiden der Büsche verzichten, um brütende Vögel nicht zu stören.

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