Culinary Misfits: Eine Chance für krummes Gemüse

Haben Sie schon mal etwas von „Culinary Misfits“ gehört? Das ist die englische Übersetzung von „kulinarische Sonderlinge“ und meint all das Obst und Gemüse, das in Sachen Form einen eigenen Willen hat. Möhren mit zwei Beinen, zum Beispiel, Kartoffeln mit Dellen und gebogene Tomaten. Eigentlich sollte man schmunzeln, wenn man  Charakterköpfe wie die beiden eng umschlungenen Mohrrüben (Foto) auf dem Markt entdeckt. Die Realität sieht aber etwas anders aus: Viele dieser Sonderlinge landen nämlich einfach im Müll. Und jetzt kommt das Projekt „Culinary Misfits“ ins Spiel – ein Unternehmen, das genau dieses Gemüse einsetzt.

Culinary Misfits – so entstand die Idee

Erfunden wurde das Projekt von Tanja Krakowski und Lea Brumsack. Die beiden Designerinnen waren entsetzt über die Tatsache, dass in Europa 20 bis 40 Prozent der Ernte gleich auf den Feldern aussortiert wird und auf dem Müll landen. Und das nur, weil das Obst und Gemüse den optischen Ansprüchen der Supermärkte und der Verbraucher nicht entspricht! Lange mischte sogar die EU mit: Ihre überstrengen Verordnungen legten genau fest, welche Form Möhren, Gurken & Co. bitteschön haben sollten – absolut unverständlich angesichts der Hungersnöte in vielen Teilen der Welt.

Die Verbraucher bevorzugen makellos geformtes Gemüse

Die Verordnungen sind inzwischen vom Tisch, die Gewohnheiten der Verbraucher und die Vorstellungen der Supermärkte von der makellosen Form eines Gemüses aber haben sich kaum geändert. Nur in Bioläden haben die Krummen und Schiefen größere Chancen.

Salate, Suppen und Misfits-Kuchen

Mit „Culinary Misfits“ rücken Tanja Krakowski und Lea Brumsack nun ausgerechnet die abgelehnten Sonderlinge in den Fokus. Da hat die Möhre halt zwei Beine. Na und? Die beiden verarbeiten sie zu wunderbaren Suppen, Eintöpfen, Salaten und vielem mehr und verkaufen sie in ihrem Misfits-Ladencafé in Kreuzberg. Es gibt je nach Saison Apfel-, Möhrchen- und Käsekuchen, Müsli im Weckglas mit eingemachten Früchten, bunte Stullen mit Rohkost und eingemachten Misfits und vieles mehr.

Auch wettergeschädigtes Gemüse wird verwertet

Verwertet wird nicht nur alles, was krumm und schief ist, sondern auch Zucchini, die gerade einen Hagelsturm abbekommen haben und zersplittert sind, oder Radieschen mit Regenüberschuss, die zu platzen drohen. Im Handel hätten sie keine Chance. Für die beiden Chefinnen heißt es dann, spontan zu sein – an dem Tag stehen dann halt die ruckzuck verarbeiteten Zucchini und Radieschen auf der Speisekarte.

Landwirte aus der Umgebung liefern die Zutaten

Mit Misfits und anderem Gemüse versorgt wird der Laden von Landwirten und anderen Partnern. Etwa Christian Heymann von SpeiseGut aus Gatow, der vergessene alte Gemüsesorten und Säfte liefert. Axel Szilleweit aus Teltow, der im Winter die herrlichen (und oft sehr krummen) Teltower Rübchen beisteuert. Das Ökodorf Brodowin ist ebenso dabei wie das Unternehmen Second Back, das Brot vom Vortag verkauft.

Besteck und Geschirr vom Flohmarkt

Konsequent sind die beiden Culinary-Misfits-Chefinnen ebenso beim Geschirr. Teller und Besteck dürfen Makel haben – sie kommen vom Flohmarkt. Im Laden bekommt man außerdem Bücher, Rezepthefte, Speiseöle, Eingemachtes und einiges mehr.

Schnippeln in der Gemüsewerkstatt

Auch Workshops in der Gemüsewerkstatt (wo gemeinsam experimentiert, fermentiert und eingeweckt wird) und Catering bieten die Culinary Misfits an. Und wer so richtig begeistert ist vom krummen Gemüse, das ja schließlich mindestens genauso gut schmeckt wie das makellose, der kann die Sonderlinge in einigen Berliner Biosupermärkten auch kaufen  – eingeweckt, damit sie lange halten. In dieser Form werden sie sogar ganz gerne verschenkt. Was normal gestaltetem Gemüse vermutlich eher selten passiert.

Culinary Misfits – Infos

  • Adresse: Misfits Ladencafé und Gemüsewerkstatt, Manteuffelstr. 19, 10997 Berlin (Kreuzberg)
  • Anfahrt: U1 Görlitzer Bahnhof, Bus 140
  • Öffnungszeiten: Di-Fr, 9-16 Uhr, Sa, 10-16 Uhr
  • Culinary Misfits im Internet: culinarymisfits.de

 

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