Das Geheimnis der Entengrütze

Kleine Wasserlinse im Tiergarten Foto: Carsten Böttcher
Kleine Wasserlinse im Tiergarten Foto: Carsten Böttcher

Bei Gewässern wie dem auf dem Foto muss man aufpassen, dass man sie nicht mit einem Wanderweg verwechselt. Denn die grüne Schicht darauf wirkt wie fester Grund. Mit der Betonung auf „wirkt“. Denn das, was da so an grüne Erde erinnert, sind unzählige winzig kleine Pflanzen, die es auch in der Berliner Natur gibt. Viele sagen Entengrütze dazu, der offizielle Name ist Wasserlinse. Grund zum Naserümpfen aber gibt es wirklich nicht angesichts des dichten Grüns: Wer genau guckt (zum Beispiel im Großen Tiergarten, wo das Foto entstanden ist), der sieht winzig kleine Blättchen, die auf der Wasseroberfläche schwimmen und ganze Teppiche bilden können.

Entengrütze: Schwimmende Pflanzen mit zarten Wurzelfäden

Es gibt viele Arten von Wasserlinsen, die größten sind die Teichlinsen, deren Schwimmblätter ungefähr einen Zentimeter groß werden können.  Andere Arten messen kaum einen Millimeter! Was sie brauchen, sind stehende Gewässer mit vielen Nährstoffen, die die Pflanzen mit ihren zarten Wurzelfäden aufnehmen. Wenn es warm genug ist, entstehen die Entengrütze-Teppiche, die das Leben im Teich ziemlich beeinflussen: Das Sonnenlicht dringt nicht mehr bis zum Grund des Teiches, was wiederum andere Wasserpflanzen beeinträchtigt. Weil die Wassertemperatur nicht mehr durch die Sonne reguliert wird, haben auch manche Tiere ihre liebe Not. Wasserlinsen zeigen eine hohe Nährstoffdichte an (sie leben schließlich davon). Verursacher der Nährstoffe ist oft genug der Mensch.

Bestäubung durch Insekten brauchen Wasserlinsen nicht, zur Vermehrung bilden sie  Sprossen, die sich irgendwann ablösen. Den Winter überstehen sie auf dem Grund des Teiches, der wärmer ist als der Rest des Gewässers.

Enten (und manche Köche) lieben Wasserlinsen

Gartenteichbesitzer sind meist wenig begeistert, wenn sie Wasserlinsen entdecken. Dabei sind die winzigen Grünen in der Lage, Schadstoffe wie Stickstoff oder Phosphor aus dem Wasser zu binden. Wer sie trotzdem loswerden möchte, sollte die Pflanzen absammeln. Oder er lässt andere die Arbeit übernehmen: Fische und Enten zum Beispiel lieben das Gewächs, das reich an Aminosäuren, Proteinen und Kohlenhydraten ist, als Nahrung (das mit den Enten erklärt dann auch den Spitznamen der Wasserlinse).  Im Internet habe ich sogar Kochrezepte gefunden, die die Kleine Wasserlinse als Zutat verwenden. Wer nachkochen möchte, sollte sich aber Teiche suchen, die nicht mit Abwässern in Berührung kommen.

Entengrütze – demnächst Rohstoff für Biosprit?

Richtig eindrucksvoll ist die Verwendung der extrem schnell wachsenden Wasserlinsen als künftiger Rohstoff für Biosprit. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber Forscher der Universität Jena sind schon seit einiger Zeit mit den Winzlingen beschäftigt. Aus einem Gramm Entengrütze können in weniger als einem Monat sechs Tonnen Biomasse werden – wesentlich mehr als Mais! Im Gegensatz zum Maisanbau werden dabei keine Anbauflächen für Nahrungsmittel blockiert. Das wäre doch was, wenn irgendwann Autos mit Entengrütze angetrieben werden würden!

Ähnliche Artikel:

Eine Blume mit Schwanenhals

Fleischfressende Pflanze in Berliner Feuchtgebieten

Das Geheimnis der Seerosen

2,973 total views, 1 views today


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2012-2017 Silke Böttcher · Wildes Berlin · All Rights Reserved

Facebook
thomas davisthomas davis