Maulwurf – der Architekt aus der Unterwelt

Gartenbesitzer werden vermutlich keinen Fanclub für den Maulwurf gründen. Denn er scheint immer gerade dort zu buddeln, wo der Rasen besonders schön grün ist. Im Frühjahr ist er besonders aktiv und verwandelt so manche Wiese in eine Hügel-Landschaft.  Trotzdem gibt es auch einige Gründe, sich über den Maulwurf zu freuen. Grund genug, sich mal ein bisschen mit dem ulkigen Buddler zu beschäftigen.

Der Maulwurf hat schwache Augen, aber eine scharfe Nase

Das grau-schwarze Säugetier ist klein. Es wird nicht einmal 20 Zentimeter lang und wiegt ungefähr 100 Gramm. Das erste, was an ihm auffällt, sind seine kräftigen Grabschaufeln mit fünf Fingern. Weniger auffällig sind Augen und Ohren – was daran liegt, dass der Maulwurf keine Ohrmuscheln und nur sehr kleine, schwach ausgeprägte Augen hat. Dafür hat er eine sehr scharfe Nase und kann Erschütterungen unter der Erde hervorragend spüren. Sein Körper ist perfekt an das Leben in kleinen Tunneln angepasst.

Das Tunnelsystem des Maulwurfs

Wer angesichts seines Namens glaubt, dass der Maulwurf mit der Schnauze gräbt, der täuscht sich: Er verdankt die Bezeichnung vermutlich dem althochdeutschen Begriff „Molte“, der „Erde“ bedeutet.  Gänge und Hügel produziert er übrigens nicht, um Gartenbesitzer zu ärgern. Das Tunnelsystem (die Hügel sind der Aushub) ist ein bisschen zu vergleichen mit einem Spinnennetz mit einem Kessel. Darin sitzt der Maulwurf und wartet (wie die Spinne im Netz) auf leichtsinnige Insekten, Regenwürmer und andere Tiere, die durch die Gänge spazieren.

Tasthaare helfen bei der Suche nach Beute

Seine Fähigkeit, kleinste Erschütterungen zu spüren, und die Tasthaare helfen ihm, die Beute zu finden. 50 Gramm vertilgt der Erdarbeiter am Tag, alles fleischliche Nahrung – aus Pflanzen macht er sich nichts. Allerdings kann es schon mal passieren, dass er beim Graben an Wurzeln gerät und die Pflanze in Schieflage bringt.

Exzellenter Schädlingsvernichter

Weil der Maulwurf eine besondere Vorliebe für Schnecken, Engerlinge und Larven anderer Schädlinge hat, sollten sich Gartenbesitzer nicht allzu sehr über ihn ärgern. Das Schneckenproblem beseitigt der kleine Geselle nämlich zuverlässig.

Maulwürfe verscheuchen Wühlmäuse

Und wo er wohnt, gibt es auch keine Wühlmäuse, die im Gegensatz zu ihm Pflanzenfresser sind (mit ähnlichem Geschmack wie gärtnernde Menschen): Der Maulwurf ist ein Einzelgänger und würde die Maus nicht in seiner Wohnung akzeptieren. Wer nicht sicher ist, ob in seinem Garten eine Wühlmaus oder ein Maulwurf unterwegs ist, der sollte nachsehen, wie tief die Gänge liegen: Die Maus gräbt dicht unter der Erdoberfläche, der Maulwurf tiefer.

Schnecken-Schreck

Früher wurde der Maulwurf gnadenlos verfolgt. In Brehms Tierleben galt er als „wahrhaft furchtbares Raubtier“ – eine Bezeichnung, über die der Buddler vermutlich schmunzeln würde. Er mag manchem Gartenbesitzer lästig sein, aber als Raubtier werden ihn wohl nur die Schnecken bezeichnen, die wirklich allen Grund haben, ihn zu fürchten.

Wie man den Maulwurf verscheucht

Übrigens steht das kleine Säugetier unter Schutz, man darf es weder fangen, noch verletzen oder gar töten. Wer es trotzdem unbedingt loswerden will, der kann Holzpfähle in die Haufen schlagen und regelmäßig dagegenklopfen. Weniger arbeitsintensiv sind Windrädchen, die man in die Haufen steckt – auch sie erzeugen Geräusche.

Auch mit üblen Gerüchen kann man es vertreiben: Knoblauchbrühe zum Beispiel, die in kleiner Menge in die Gänge geschüttet wird, mag der Maulwurf überhaupt nicht. Wen die Haufen nicht stören, der sollte sich aber lieber mit dem ulkigen Tier arrangieren. Denn es zeigt, dass der Boden gesund ist: In ungesunden möchte es nicht wohnen.

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