Amsel – Meistersängerin mit dem gelben Schnabel

Amsel
Amsel im Winter Foto: NABU/Frank Derer

Unter den Berliner Meistersängern gehört die Amsel zu den begabtesten. Und sie scheint das ganz genau zu wissen. Denn sie hat eine Vorliebe für exponierte Bühnen. Manchmal singt sie von Hausdächern herunter, manchmal sucht sie sich in der Berliner Natur die höchste Spitze eines Baums. Und unterhält von dort aus ganze Straßenzüge mit ihrem Gesang. Wobei „sie“ nicht ganz stimmt – es ist das Männchen, das im Frühjahr so aus voller Kehle singt.

Zetern kann die Amsel auch

Aber die Amsel kann auch ganz anders. Zetern nämlich. Wenn ein Mensch an dem Zaun vorbeikommt, auf dem sie gerade sitzt, dann fliegt sie nicht einfach weg, sondern tut ihren Unmut mit aufgeregtem „ki-ki-ki-ki“ kund.

Schwarzdrossel wird die Amsel auch genannt, was aus mehreren Gründen passt. Denn der Vogel gehört zur Familie der Drosseln, und der Zuname „schwarz“ erklärt sich zumindest beim Männchen sofort:  Sein Gefieder ist tiefschwarz, während das Weibchen braungefleckt ist.

Bei der  Stunde der Gartenvögel 2013 war die Amsel der zweithäufigste Vogel in Berlin (nach dem Sperling).  Diesem Ergebnis merkt man nicht an, dass die Zahlen der Amsel zurückgehen. Schuld ist ein Virus, das schon so viele Amseln getötet hat, dass der Nabu die Berliner darum bittet,  sich zu melden, wenn sie verendete Amseln entdecken.

Vorliebe für Wälder und Parks

Sehen kann man die Vögel überall in der Stadt, am ehesten aber dort, wo es ein bisschen Grün gibt. Denn ursprünglich wohnten die Amseln in dichten Wäldern. Die sind auch heute noch ihre bevorzugten Brutreviere. Parks zählen aber auch, denn dort finden sie Regenwürmer oder Käfer. Aber die ignorieren sie sofort, wenn ihnen ein Obstbaum auffällt. Amseln sind Feinschmecker, verlieren aber schnell das Interesse an einer Frucht – die nächste erscheint ihnen noch schmackhafter. Gartenbesitzer sind nicht so begeistert, wenn die Amseln unzählige Früchte anpicken, ohne sie ganz aufzufressen.

Die Amsel: Von Zugvögeln und Daheimgebliebenen

Übrigens gehören Amseln eigentlich  zu den Zugvögeln. Das gilt allerdings hauptsächlich für die nordeuropäischen Vögel. In Mitteleuropa ziehen nur 25 Prozent der Amseln in den Süden, in Städten wie Berlin sind es sogar noch weniger. Irgendwas zu Fressen finden sie nämlich immer. Auch wenn die Kirschen verschwunden sind.


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