Der Sommer kommt: Die Linden blühen!

Als ich gestern Morgen die Balkontür aufgemacht habe, strömte mir ein Duft entgegen, den ich so sehr mit dem Frühsommer verbinde wie kaum einen anderen: Die Linde blüht. Und bei der derzeitigen Sommerhitze mit Macht. Vor ein paar Tagen war es nur ein Hauch, jetzt übertönt der Lindenduft an manchen Straßen sogar den Großstadtgeruch. Normalerweise nimmt man die Linden in der Berliner Natur und an Straßenrändern kaum wahr – sie sind halt da. Aber wenn sie blühen, kann man sie wirklich nicht übersehen. Im Moment sind sie wie die Kastanien als Schattenspender gefragt.

Die Sommer- und die Winter-Linde

Die am meisten verbreiteten Lindenarten in Deutschland sind die Winter- und die Sommerlinde. Die beiden sind allerdings nicht so einfach zu unterscheiden. Die etwa herzförmigen Blätter der Winterlinde sind kleiner, bei der Sommerlinde kann man außerdem feine Härchen an den Blattstielen und der Oberseite der Blätter sehen (oder eher fühlen). Bei der Sommerlinde sind außerdem Blattunter- und Oberseite gleichfarbig grün. Auch an den Blüten unterscheiden sich die Bäume. Einfachstes Merkmal dort: Die Sommerlinde blüht ungefähr zwei Wochen früher als die Winterlinde (die mit dem Winter also nicht allzuviel zu tun hat).

Uralte Linden in vielen Dörfern

Eindrucksvoll sind aber beide Bäume, die locker 30 Meter hoch und außerdem sehr alt werden können. Kein Wunder, dass es in vielen Dörfern berühmte Linden gibt – und eine der wichtigsten Straßen in Berlin sogar nach den Linden benannt ist. In Brandenburg zum Beispiel steht die Schwedenlinde, die 400 bis 700 Jahre alt ist (in Brielow, Landkreis Potsdam-Mittelmark), in Pehlitzwerder eine 550 Jahre alte Winterlinde.  In der Nähe von Bad Hersfeld, in Schenklengsfeld, steht übrigens eine Linde, von der man vermutet, dass sie der älteste Baum Deutschlands ist. Ein Stein neben ihr besagt, dass sie im Jahre 760 gepflanzt wurde!

„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“

Andere Linden dienten als Tanz- und Gerichtslinden oder sie markierten als Dorflinden das Zentrum eines Dorfes. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die Linde als Symbol der Gastfreundschaft gilt. Berühmte Bildhauer wie Tilman Riemenschneider nutzten das helle, weiche Holz für ihre Kunstwerke. Heute freut man sich vor allem an der eindrucksvollen Gestalt der Bäume, die, wenn sie genug Platz haben, sehr ausladend sein kann. Dichter ließen sich ebenfalls von der Linde inspirieren und schrieben Verse wie „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum, ich träumt‘ in seinem Schatten gar manchen süßen Traum“ (Wilhelm Müller).

Die Heilkräfte der Linde

Bienen lieben die Linde wegen ihres sehr zuckerreichen Nektars und sie produzieren daraus einen ganz besonderen, sehr angenehm schmeckenden Honig. Menschen lieben den Baum auch wegen seiner Heilkräfte. Die jungen Blätter kann man essen, die übrigens sehr schönen Blüten ebenfalls – sie schmecken wunderbar nussig, wenn man sie direkt vom Baum pflückt. Die getrockneten  Blüten geben einen sehr leckeren Tee, der bei  Erkältung mit Husten hilft, schweißtreibend wirkt und die Nerven beruhigen soll. Und sie lieben die Linde auch, weil sie bei Hitze so wunderbar Schatten spendet. unter ihrem Blätterdach ist es nämlich angenehm kühl.

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