Die Brennessel – Hommage an ein verkanntes Multitalent

Brennessel
Brennessel

So ziemlich jeder hat schon mal eine unangenehme Begegnung mit der Brennessel gehabt. Oder eher mit ihren Haaren. Die brennen sich nämlich sogar durch dünne Stoffe bis auf die Haut durch und verursachen juckende Pusteln.  Aber ihren Status als ungeliebtes Unkraut hat die Pflanze nun wirklich nicht verdient – eher eine Medaille. Denn die Brennessel ist eine Heilpflanze der ganz besonderen Art, eine Grundlage für Stoffe und außerdem eine leckere Zutat für Salate.

Die Brennessel hat mehr Vitamin C als die Orange

Anspruchsvoll ist die Pflanze nicht, sie wächst dort, wo man sie lässt.  Auch in Berlin wuchert sie überall in der wilden oder verwilderten Natur. Meistens bemerkt man sie erst, wenn man ihr  buchstäblich zu nahe kommt, denn mit ihren gelbgrünen Blüten ist sie eher unscheinbar – trotz ihrer markanten gezackten Blätter. Aber in ihr steckt eine Menge: Neben reichlich Vitamin A zum Beispiel  siebenmal mehr Vitamin C als in einer Apfelsine, außerdem Magnesium, Kalzium, Silizium, Eisen und viel Eiweiß.  Genießen kann man die Brennessel als Salat, der ein bisschen wie Spinat schmeckt, aber auch als Tee.

Hauchdünne Brennhaare

Wer geübt ist, zwickt die jungen Blätter mit der bloßen Hand ab, ohne sich zu verbrennen (von unten nach oben), alle anderen sollten Handschuhe anziehen. Die Brennhaare, die eigentlich Fressfeinde abhalten sollen, sind so spröde, dass sie bei der kleinsten Berührung brechen. Die Haut des „Opfers“ wird dabei angeritzt und die Brennflüssigkeit in die Wunde gespritzt.  Wenn man die Blätter verarbeitet, muss man sie nur kräftig abwaschen, dann sind die Brennhaare verschwunden.

Mittel gegen Rheuma und Frühjahrsmüdigkeit

Die Heilkräfte der Brennessel sind ziemlich eindrucksvoll. Die Pflanze ist blutreinigend, hilft gegen Rheumatismus und Gicht, sie fördert den Haarwuchs, wirkt gegen Appetitlosigkeit, Verstopfung und Frühjahrsmüdigkeit.  Ihr Eisengehalt macht sie zu einem beliebten Ergänzungsmittel für Vegetarier und Frauen.

Färben mit der Brennessel

Aber das ist noch längst nicht alles. Die Pflanze, aus der früher Nesselstoffe hergestellt wurden (ein Verfahren, das auch heute wieder Anwendung findet), wird auch zum Färben von Stoffen genutzt. Außerdem liefert sie die Grundlage für ein biologisches Pflanzenstärkungsmittel, das zwar übel riecht, aber auch Insekten fernhält. Nicht zu vergessen ist ihr Einsatz als Schmetterlingsweide: Ungefähr 50 Schmetterlingsarten ernähren sich von der Brennessel, darunter das Tagpfauenauge und der Admiral. Die Schmetterlinge nutzten die Pflanze auch für ihre Raupen – manchmal kann man ein wahres Raupen-Gewusel an einer Brennessel sehen. Ziemlich eindrucksvoll für eine so unbeliebte Pflanze, oder?

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