Die Gelbflechte bringt Farbe ins Wintergrau

Gelbflechte
Gelbflechte

Die Gewöhnliche Gelbflechte ist eines der Lebewesen, die im Winter ihren großen Auftritt haben. Das liegt an der namensgebenden Farbe. Und ein bisschen auch an der reizvollen Struktur, die sie bildet. Sehen kann man sie an Bäumen, auf Mauern, an Steinen und sogar auf rostigem Metall.

Lebensgemeinschaft zwischen Pilz und Alge

Flechten sind eine Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und einer Alge, also keine Pflanze. Die Alge, die Photosynthese betreiben kann, versorgt den Pilz mit Nährstoffen. Und der Pilz schützt die Alge mit seinen fadenförmigen Zellen (genannt Hyphen) vor dem Austrocknen und vor zuviel UV-Licht. Ein ziemlich raffinierter (und erfolgreicher) Überlebenstrick der Natur, wie ich finde.

Die Gelbflechte wächst gern auf Stämmen und Ästen

Die Gelbflechte wächst vor allem dort, wo gedüngt wird und viele Nährstoffe zur Verfügung stehen. In Wäldern bedeckt sie manchmal Stämme und knorrige Äste alter Bäume – ein sehr schöner Anblick. Denn sie bringt Farbe ins Grau der Äste und Zweige.  Die Farbe der Gelbflechte kann variieren: Je mehr Licht sie bekommt, desto gelber wird sie, und wo es eher schattig ist, bleibt sie eher grünlich oder sogar leicht grau.

Milben helfen bei der Fortpflanzung

Die Struktur des Gewächses ist auffällig – die Gelbflechte (Xanthoria parietina) bildet sogenannte Apothecien. So nennt man die offenen Fruchtkörper, die ein bisschen wie Schalen oder Becher aussehen und innen oft etwas intensiver gefärbt sind. Auf dem Foto kann man diese Apothecien ganz gut erkennen (noch auffälliger sind sie bei der Trompetenflechte, über die es auch schon einen Blogeintrag gab. Spannend finde ich, dass die Flechte bei der Fortpflanzung wohl Hilfe von zwei Hornmilbenarten bekommt. Die leben in dem Gewächs und ernähren sich von ihm – im Kot der Milben werden die Sporen bzw. Algenzellen verbreitet.

Flechten sind Bio-Indikatoren

Spannend finde ich, dass Flechten als Bio-Indikatoren gelten. Das heißt, sie weisen auf bestimmte Umweltbedingungen hin. Sie reagieren äußerst empfindlich auf Luftverschmutzung, weil sie Schadstoffe, die im Regen und in der Luft enthalten sind, beinahe ungefiltert aufnehmen. Ein hoher Gehalt an Schwefeldioxid in der Luft lässt die Flechten verschwinden. Die Gelbflechte verträgt allerdings deutlich mehr Schwefeldioxid als andere Arten, die schon bei sehr geringer Verschmutzung absterben. Und die Flechten können sogar noch mehr: Sie binden Kohlendioxid und Stickstoff aus der Luft.

Heilmittel gegen Malaria

Wer also Flechten sieht, der darf sich freuen – an dieser Stelle sind die Umweltbedingungen vergleichsweise gut. Man sollte sie keinesfalls entfernen, wenn man sie an Bäumen im Garten sieht. Denn die Gelbflechte, die Flechte des Jahres 2004 war, ist außerdem Lebensraum für unterschiedliche Schmetterlingsraupen, etwa den Kleinen Flechtenbären. Heilkräfte hat sie auch noch: Sie hilft gegen Parainfluenza und wurde früher als Mittel gegen Malaria verwendet.

Die Schwefel- und die Gelbflechte

Übrigens: Es gibt noch eine andere, sehr ähnliche Flechte, die vor allem auf Felsen wächst und die man zum Beispiel im Elbsandsteingebirge sehen kann: die Gelbfrüchtige Schwefelflechte. Manche Felsen sind so intensiv mit der leuchtend gelben Flechte bewachsen, dass man meinen könnte, jemand hätte die Steine gelb bepudert. Die Struktur dieser Flechte sieht trotz der ähnlichen Farbe allerdings ganz anders aus als jene der Gelbflechte.

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