Die Kamille, das Multitalent vom Feldrand

Kamillenblüten
Kamillenblüten Foto: Silke Böttcher

Die Kamille ist eine der Heilpflanzen, die man gerne unterschätzt. Jedes Kind kennt sie – oder eher den Tee, der aus ihr bereitet wird, um Bauchweh zu lindern. Beim Geschmack scheiden sich die Geister: Der eine liebt ihn, der andere kann ihn nicht ertragen. Auf alle Fälle aber verdient die Pflanze Aufmerksamkeit. Weil sie unglaublich viele Heilkräfte hat. Und weil sie zwar nicht gefährdet, aber gar nicht mehr so häufig ist.

Kamille liebt Ödland

Die Kamille wächst an Weg- und Feldrändern und auf Ödland, dort, wo der Boden kalkarm und basenreich ist. Dass mancher Landwirt sie als Unkraut bezeichnet und deshalb aus dem Boden zieht, ist einer der Gründe, warum sie mancherorts verschwunden ist. Dabei wird die Heilpflanze des Jahres 2002 andernorts sogar angebaut, vor allem in Frankreich, Bulgarien, Argentinien und Ägypten. Ungefähr 5000  Tonnen Kamille werden pro Jahr in Deutschland gekauft – für insgesamt etwa 20 Millionen Euro!

Ein Ring aus weißen Blütenblättern

Die Kamille hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einem groß geratenen Gänseblümchen oder der Margerite, die beide ebenfalls zu den Korbblütlern gehören. Sie wird etwa kniehoch, nach oben ist ist sie oft sehr verzweigt. Die Blätter sind gefiedert und sehr schmal (bei der Margerite sind sie zungenförmig, ungefiedert und deutlich größer). Ein Ring aus weißen Zungenblüten, der meist ein bisschen zurückgebogen ist, umrahmt die leuchtend gelben Röhrenblüten.

Blütezeit ist von Mai bis September, und um die Bestäubung kümmern sich vor allem Fliegen. Die Samen werden später von Tieren verbreitet, an denen sie hängen bleiben.

Intensiver Duft

Wer dicht genug an eine Kamillenpflanze herankommt, dem steigt der intensive, würzige Duft in die Nase. Wer nicht ganz sicher ist, ob er eine Echte Kamille (Matricaria chamomilla) vor sich hat, sondern vielleicht ein Exemplar der sehr ähnlichen Hundskamille, der sollte eine Blüte vorsichtig zerteilen. Wenn der Blütenboden innen hohl ist, handelt es sich um die Echte Kamille, bei der Hundskamille ist der Blütenboden gefüllt.

Mittel gegen viele Krankheiten

Was die Echte Kamille zu einer so wertvollen Heilpflanze macht, ist ihr ätherisches Öl. Außerdem enthält sie Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe, Schleimstoffe und mehr. Diese Stoffe sorgen dafür, dass die Kamille gegen viele Krankheiten hilft, von Magenschmerzen über Darmschleimhautentzündungen und Erkältungen bis zu Furunkeln, Zahnfleischentzündungen, Hautunreinheiten, Menstruationsbeschwerden und Sodbrennen. Selbst gegen Stress und Nervosität kann man sie einsetzen: Der gute alte Kamillentee ist ein wunderbarer Schlaftee. Es gibt Studien, die besagen, dass die Pflanze sogar bei Angststörungen helfen soll – ihre Wirkung sei  vergleichbar mit pharmazeutischen Beruhigungsmitteln wie Valium oder Xanax. Und das ganz ohne Nebenwirkungen oder die Gefahr von Abhängigkeiten.

Kamillentee aus getrockneten Blüten

Verwendet werden die getrockneten Blüten, das Kraut und die Samen. Für einen Tee brüht man einfach einen Esslöffel voller Blüten auf und lässt das Ganze zehn Minuten ziehen. Gegen Zahnschmerzen hilft Kamilletinktur, die man in der Apotheke bekommt.

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