Die sinnlichste Frucht der Welt: Coco de Mer

Coco de Mer
Coco de Mer Foto: G. Hohlstein, Botanischer Garten Berlin

Im Botanischen Garten wächst gerade fast unbemerkt ein Baum heran, der schon früher die Phantasie angeregt hat. Was soll man auch denken, wenn eine riesige Nuss vor einem liegt, die bis ins kleinste Detail an ein weibliches Becken erinnert? Coco de Mer heißt der von den Seychellen stammende Baum, der eine der seltensten, großblättrigsten und höchsten Palmenarten der Welt ist und der, um bei den Superlativen zu bleiben, auch noch die größten und schwersten Samen der Pflanzenwelt hervorbringt. Dessen erotische Form ist wohl eine Laune der Natur.

Die Coco de Mer – Frucht mit weiblichen Kurven

Mit dem Meer hat die Pflanze, die auch als Seychellenpalme bekannt ist, übrigens nur indirekt zu tun. Früher wurden ihre bis zu 20 Kilogramm schweren Samen häufiger an den Stränden des Indischen Ozeans angespült. Niemand wusste, woher sie kamen – also mussten sie wohl, so glaubte man, im Meer wachsen. Heute weiß man es besser: Wilde Seychellenpalmen gibt es, wie der Name schon andeutet, nur auf den Seychellen, und auch dort nur auf den beiden Inseln Praslin (besonders im Dschungel des Nationalparks Vallée de Mai) und Curieuse. Die Palme, deren Früchte ähnlich schmecken wie Kokosnüsse, steht unter sehr strengem Schutz. Schon früher galten sie als Kostbarkeiten, die von gekrönten Häuptern gesammelt wurden.

Berlins Coco de Mer ist 1,80 Meter groß

Es ist nicht leicht, eine Coco de Mer heranzuziehen, deshalb ist der Keimling im Botanischen Garten auch eine Besonderheit. Die Nuss war 2010 als Geschenk der Seychellen nach Berlin gekommen, sie stammt von einer Palme die Prinz Philip 1956 im Botanischen Garten der Seychelleninsel Mahé gepflanzt hat. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die 7,5 Kilogramm schwere Nuss im Tropenhaus anfing zu keimen – schon das ist eine Besonderheit, denn die Anzucht der Seychellenpalme ist schwer und langwierig.

Die Palme wird bis zu 34 Meter hoch

Inzwischen ist das Pflänzchen schon ein kleiner Baum – die Palme ist vom Boden bis zum Wedelende immerhin 1,80 Meter hoch. Gerade entwickelt sie ein zweites Blatt, das wahrscheinlich deutlich größer wird als das erste. Wenn alles gut geht, wird die Seychellenpalme irgendwann mal bis zu 34 Meter hoch und hat Fächerblätter, die zehn Meter lang und vier Meter breit werden können. Nach 25 bis 50 Jahren kommen die ersten Blüten. Und falls die Palme weiblich ist (Seychellenpalmen sind getrenntgeschlechtlich), dann wachsen irgendwann die eindrucksvollen Früchte mit den weiblichen Kurven heran. Und damit lassen sie sich Zeit – sie brauchen fünf bis sieben Jahre, um zu reifen!

Der männliche Blütenstand der Coco de Mer

Übrigens regen auch die männlichen Seychellenpalmen die erotischen Phantasien ganz ordentlich an: Sie entwickeln nämlich bis zu zwei Meter lange Kätzchen in Penis-Form (siehe Foto unten), die mit zahllosen gelben Blüten bedeckt sind. Kein Wunder, dass dieser Pflanze früher magische, um nicht zu sagen, kräftigende, Wirkung nachgesagt wurde!

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin, Tel. 030/838-50100. Öffnungszeiten: zurzeit täglich 9-16 Uhr, im Februar bis 17 Uhr.

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