Die Stockente im Blumentopf

Wenn Stockenten brüten wollen, dann sind sie erfinderisch. Die normalen Brutplätze wie Gebüsche am Wasser nutzen sie zwar immer noch am liebsten, aber weil sie die in Großstädten wie Berlin nicht immer finden, suchen sie sich eben Ersatz. Notfalls im Blumentopf auf dem Balkon.

Balkon als Stockenten-Kinderstube

Eine Freundin hat mir mal erzählt, dass eine Stockenten-Familie den Balkon ihrer Mutter als Kinderstube ausgesucht hat. Ein Blumenkasten erschien der Entenmama perfekt fürs Eierlegen. Für einige Wochen war der Balkon für die Mutter meiner Freundin tabu – die brütende Stockente brauchte Ruhe. Dafür genoss die unfreiwillige „Vermieterin“ durch die Balkontür einen Panoramablick auf die bald schlüpfende flauschige Kinderschar.

Ein Nest im Hoteldachgarten

Der Nabu Berlin kennt noch weitere ungewöhnliche Brutplätze von Stockenten. Eine suchte sich vor einiger Zeit zum Beispiel den Dachgarten des Luxushotels Westin Grand an der Friedrichstraße für ihr Brutgeschäft aus. Die Brutzeit der Stockente ist übrigens zwischen März und Mai.

Geschützter Brutplatz gesucht

Was die Stockenten hauptsächlich suchen, ist ein geschützter Ort zum Brüten. Die schon erwähnten Gewässerränder aber sind in der Großstadt nicht nur selten, sondern auch nicht unbedingt sicher – freilaufende Hunde sorgen leider oft genug für Unruhe. Und deshalb sucht die Stockente andere, scheinbar geschütztere Stellen. Die im Frühjahr noch wenig genutzten Balkone eben, Dächer auch. Aber dort droht eine ganz andere Gefahr, und dem Nachwuchs steht noch ein großes Abenteuer bevor, vielleicht das größte ihres Lebens.

Kurz nach dem Schlüpfen erleben Stockenten ihr erstes großes Abenteuer

Stockenten sind nämlich Nestflüchter: Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Mutter ihre Küken schon  48 Stunden nach dem Schlüpfen zu einem Gewässer führt. Das wäre bei einem Nest im Schilf kein Problem. Aber auf einem Dach kann es lebensgefährlich für die kleinen Enten werden, die zwar schon schwimmen, aber noch nicht fliegen können. Irgendwie aber müssen sie vom Dach oder Balkon hinunterkommen. Und das endet leider immer wieder mit tödlichen Stürzen – oder mit zurückbleibenden Jungen, die ihrer Mutter nicht folgen konnten und nun vom Hungertod bedroht sind.

So kann man Entenfamilien helfen

Die einzige Chance ist in solchen Fällen der Mensch. Wer eine Stockentenfamilie auf seinem oder einem anderen Balkon, einem Dach oder einem anderen hochgelegenen Ort entdeckt, sollte sich an den Nabu wenden. Der sorgt dann für einen Transport der Mutter samt Küken zu einem Gewässer. Oder kümmert sich darum, dass verwaiste Entenkinder in einer neuen Familie unterkommen. Wer helfen will, kann eine Patenschaft übernehmen.

 

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