Die Vetschauer Internet-Störche sind da

Kennen Sie Cico und Luna? Falls nicht, können Sie das ganz schnell nachholen. Denn die beiden sind täglich im Internet zu sehen. Es sind die beiden Störche aus Vetschau im Spreewald, denen Neugierige beim Nestbau und inzwischen beim Brüten zusehen können. Am 26. März flog der erste ein und am nächsten Tag der zweite. Und jetzt kann man sie bei ihrem Alltag zusehen, denn die Kamera ist so platziert, dass man einen wunderbaren Blick auf das Geschehen im Nest hat. Die Adresse der Internet-Seite steht am Ende dieses Blogeintrags.

Besuch bei den Vetschauer Störchen im Weißstorchzentrum

Ähnlich wie Linum oder Rühstädt nördlich von Berlin ist auch der Spreewald ein Gebiet mit vielen Storchennestern. Eines davon steht im Garten des Nabu-Weißstorch-Informationszentrums in Vetschau. Nicht nur wegen der Vetschauer Störche und der Live-Sicht ins Storchennest lohnt sich ein Besuch: Es gibt eine sehr spannende Ausstellung über den Storch, seine Lebensweise und einige der Schutzmaßnahmen, die unternommen werden, um ihm zu helfen. Außerdem kann man sich im Zentrum über das Biosphärenreservat Spreewald informieren, erfährt einiges über den Vogel des Jahres 2014, den Grünspecht, und über andere Tierarten des Spreewaldes, zum Beispiel den Fischotter.

Informationen über Störche und andere Tiere

Das Weißstorchzentrum beschränkt sich also längst nicht nur auf Störche. Es gibt ein Hornissennest mit Informationen über die so eindrucksvollen wie harmlosen Hornissen, eine Nistkasten-Galerie, ein Insektenhotel, einen Gartenteich, Informationen für alle, die einen Bauerngarten anlegen wollen oder sich Tipps für Naturschutz in ihrem Garten holen wollen. Auf dem Freigelände wird außerdem über die Leitungsmasten für Mittelspannung informiert, die aus gutem (oder eher traurigem) Grund auch „Killermasten“ genannt werden. Immer wieder sterben besonders Großvögel wie Störche bei der Berührung mit den Stromleitungen.

Der weite Zug der Weißstörche

Was die Vetschauer Störche und ihre Artgenossen bei ihren Zügen in die Winterquartiere und zurück leisten, ist unglaublich. Die Ostzieher, zu denen die Vetschauer Störche gehören, fliegen nach Israel, in die Türkei, auf den Balkan oder zum Bosporus, manche ziehen entlang des Nils bis nach Südafrika. Die Westzieher wählen die Route nach Frankreich, Spanien, Gibraltar oder Nord- bzw. Westafrika.

Tägliche Flugstrecke: bis zu 300 Kilometer

Allesamt fliegen sie bis zu 15 Wochen lang täglich 150 bis 300 Kilometer weit! Die Jungstörche ziehen schon Mitte August los, die Alttiere zwei Wochen später. Zurück kommen sie Ende März bzw. Anfang April. Sobald sie in den Brutgebieten angekommen sind, beginnt – mit viel Geklapper – die Partnersuche. Die Weibchen legen im Schnitt zwei bis fünf Eier, aus denen nach knapp einem Monat die Jungvögel schlüpfen.

Eine Kamera blickt in die Kinderstube

Dann wird es auch bei den Vetschauer Internet-Störchen turbulent, denn der Nachwuchs scheint ununterbrochen Hunger zu haben – und bei den Bemühungen der Eltern, die Jungen satt zu bekommen, kann man live zusehen.

Gefährliche Stromleitungen

Störche sind nicht besonders scheu, sie haben sich längst an die Nähe des Menschen gewöhnt und bauen ihre Nester gerne auf Kirchtürmen oder hohen Dächern. Auch die extra für sie aufgestellten Nisthilfen nehmen sie gerne an. Adebars Vorliebe für hochgelegene Sitzplätze wird ihm allerdings leider immer wieder zum Verhängnis – er kommt auf Mittelspannungsleitungen ums Leben. 2002 wurde immerhin ein Gesetz verabschiedet, das die Sicherung der Masten gegen Stromschlag innerhalb der nächsten zehn Jahre festlegt. Schutzhauben, Sitzstangen oder Querträger können den tausendfachen Vogeltod verhindern.

Die Vetschauer Störche und ihr Lieblingsfutter: Frösche

Mit seinen 80 Zentimetern Körperhöhe und seiner Flügelspannweite von bis zu zwei Metern ist der Weißstorch deutlich kleiner als der Kranich. Manchmal sieht man beide Großvogelarten einträchtig zusammen auf Feldern, wo sie gemächlich umherstakend nach Nahrung suchen (der Storch sucht nach Fröschen, Mäusen und stochert im Wasser auch gerne nach Fischen).

Lebensraum in Gefahr

In Deutschland gab es 2007 knapp 4000 Weißstorch-Brutpaare. Die Vögel leiden unter den Eingriffen des Menschen in ihren Lebensraum (offene Landschaften mit Feuchtgebieten), unter intensiver Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden. Nicht ohne Grund hat der Nabu den Storch als sein Symbol-Tier ausgesucht.

Storchenzentrum, Drebkauer Str. 2 a, Vetschau/Spreewald. Geöffnet von April bis September Di-So und an Feiertagen 10-17 Uhr, Oktober bis März: Mo-Fr, 10-16 Uhr. Internet: www.storchennest.de.

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