Die Vogeluhr: Wer singt wann am Morgen?

Amsel
Amsel Foto: NABU/F. Hecker

Vögel brauchen keinen Wecker – sie wachen von alleine auf. Und zwar jeden Tag zur gleichen Zeit. Dann sperren die Männchen ihre Schnäbel auf und beginnen ihr immerwährendes Frühlingslied. Sie tun das nicht, um die Menschen glücklich zu machen (obwohl ihnen das ganz nebenbei trotzdem gelingt), sondern um Weibchen anzulocken und Rivalen zu beeindrucken. Bloß wer ist es, der da im Morgengrauen singt? Grund genug, sich mal genauer mit der Vogeluhr zu befassen.

Die Vogeluhr ist erstaunlich genau

Mit einer Uhr im klassischen Sinn hat die Vogeluhr nichts zu tun. Trotzdem passt der Begriff sehr gut, denn wer die Stimmen kennt, der muss nur zuhören und weiß auch ohne Armbanduhr etwa, wie spät es ist. Die Vögel halten nämlich die Gesangs-Reihenfolge exakt ein – man könnte also wirklich beinahe die Uhr nach ihnen stellen. Auch wenn es kurz vor Sonnenaufgang ein bisschen schwierig ist, das Gezwitscher zu unterscheiden.

Der Gartenrotschwanz singt als erster

Los geht es auf der Vogeluhr mit dem Gartenrotschwanz, der ungefähr 80 Minuten vor Sonnenaufgang die Stimme erhebt. Ihm folgen unter anderen der Hausrotschwanz (70 Minuten vor Sonnenaufgang), das Rotkehlchen (50 Minuten), die Amsel (Foto, 45), die Mönchsgrasmücke (45), die Kohlmeise (35) und der Buchfink (10 Minuten).

Fast exakt zum Sonnenaufgang hebt auch der Star an. 15 Minuten später beginnt das Konzert des Distelfinks und des Grünfinks (30 Minuten nach Sonnenaufgang).

Was es mit Nachtigall und Lerche auf sich hat

Dass die Nachtigall in der Vogeluhr nicht mit aufgeführt ist, liegt daran, dass sie auch in der Nacht singt. Und wenn wir schon mal dabei sind (fast jedem fällt sofort der Spruch „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“  aus Shakespeares „Romeo und Julia“ ein): Die Lerche ist ungefähr zur gleichen Zeit wie der Gartenrotschwanz aktiv. Interessant finde ich, dass die Vögel am Tag in der gleichen Reihenfolge auch wieder mit dem Singen aufhören.

Vogeluhr zum Üben: Mitmachen beim Vogelstimmen-Quiz

Die Bezeichnung Vogeluhr ist also wirklich ganz passend, und es gibt sogar Wanduhren zu kaufen, die die gerade aktiven Vögel anzeigen. Wer feststellen will, ob er die Vogelstimmen erkennt, kann beim Vogelstimmen-Quiz des Nabu mitmachen.

Der Gesang der 40 häufigsten Gartenvögel wird nach Zufallsprinzip vorgespielt – und zu den Sängern gibt es auch noch Informationen in einem Steckbrief. Eine gute Übung fürs Erkennen der Stimmen bei der Vogeluhr.

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15 thoughts on “Die Vogeluhr: Wer singt wann am Morgen?”

  1. Ganz herrlich, auch wenn es ja schon etliche Seiten zum Thema Vogeluhr gibt. Nur schade, dass nicht alle Vögel, die hier Erwähnung finden, mit einem kleinen eigenen Artikel verlinkt sind.
    Vielleicht könnte auch der Gesang bei einer Neuauflage Einzug finden, schließlich hört gerade der Großstadtmensch die Vögel eher, als dass man sie sieht.

    1. Dankeschön! Auch für den Hinweis auf die anderen Vogelarten. Ich möchte im Laufe der Zeit noch viele Arten vorstellen – schließlich kennt man viele „vom Sehen“, weiß aber nicht immer, wie sie heißen.

  2. Hallo guten morgen
    Die vögel fangen an zu singen
    Sofort gegoogelt und Sie gefunden
    Danke ganz toll
    B.a. Friedrich, 67

  3. Heute Morgen kurz nach 3 Uhr lange dem Gartenrotschwanz zugehört – man hört ihn nur zu dieser Zeit so wunderbar singen!

  4. Ich frage mich schon lange wer mich da so früh aus dem Schlaf reisst.Nun weiss ich es und er darf es weiter so tun.
    Danke für die Antwort.

  5. Ein Vogel klingt wie das Rascheln und Knistern wie zusammengeknülltes Papier und dann singt er wieder. Sein Federkleid ist sehr dunkel. Gesehen im Garten. Aber wie mag der heißen??
    Liebe Grüße!

  6. Ich lebe in Kreuzberg und habe mich heute um vier uhr fünfundzwanzig gewundert, dass noch kein Vogel Singt. Ist es schon so spät im Jahr?

    1. Liebe Frau Thenior,
      es ist tatsächlich so, dass die Haupt-Gesangszeit der Vögel Mitte bis Ende Juli langsam zu Ende geht. Mit dem Gesang wollen die Vogelmännchen ja Weibchen anlocken und ihr Revier abgrenzen – und diese Saison ist jetzt bald vorbei. Gesungen wird natürlich immer noch, aber nicht mehr so viel. Die ersten Arten (Pirol und Mauersegler, zum Beispiel) sind sogar schon kurz vor dem Abflug in die Überwinterungsgebiete.
      Liebe Grüße von Silke

  7. Liebe Frau Böttcher,
    können Sie mir bei dieser Frage helfen: ab Ende März bis weit in den April hinein war hier (Zehlendorf-Süd) ein Vogel nahezu den ganzen Tag hindurch zu hören, der nur einen einzigen, immer gleichen Piepton von sich gab, und das jeweils über einen langen Zeitraum (piep – piep – piep …)- um wen könnte es sich dabei handeln? (das ist wirklich eine ernst gemeinte Frage)
    Liebe Grüße
    Dagmar

    1. Liebe Frau Hildebrandt,
      das ist nicht ganz so einfach zu sagen, ohne die Stimme gehört zu haben. Es könnte zum Beispiel ein Kleiber sein (Stimmprobe: http://www.deutsche-vogelstimmen.de/kleiber/). Aber auch der Grünspecht ist für monotone Pieptöne bekannt (Info mit Stimmprobe: https://offene-naturfuehrer.de/web/Gr%C3%BCnspecht_%E2%80%93_Picus_viridis). Eher unwahrscheinlich, weil er so selten ist, aber auch möglich wäre der Wendehals (Info mit Stimmprobe: https://offene-naturfuehrer.de/web/Wendehals_%E2%80%93_Jynx_torquilla). Ansonsten fiele mir noch der Waldlaubsänger ein (https://offene-naturfuehrer.de/web/Waldlaubs%C3%A4nger_%E2%80%93_Phylloscopus_sibilatrix). Ich hoffe, der richtige Sänger ist dabei!
      Herzliche Grüße von Silke

      1. Hallo ,liebe Silke,
        herzlichen Dank für Ihre Antwort; ich habe mir die Stimmen der angegebenen Vögel angehört, am ähnlichsten wäre das Piepen des Waldlaubsängers, allerdings ist bei unseren ‚Piepvogel‘, wie wir ihn in Unkentnis nennen, eine merkliche Pause zwischen den einzelnen Pieptönen, etwa Piep – Päuschen – Piep – Päuschen ..etc. Es ist wirklich kein ‚Gezwitscher‘, sondern eine Folge ganz gleicher Piep-töne auf gleicher Stimmlage. übrigens piepst er seit etwa zwei Wochen nicht mehr.
        Lieben Dank für Ihre Mühe
        Dagmar

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