Die Walderdbeeren sind reif

Walderdbeere
Walderdbeere Foto: Silke Böttcher

Sie sind winzig, knallrot und extrem lecker: Walderdbeeren. Gerade beginnen die Früchte, reif zu werden. Wer diese Kügelchen im Wald entdeckt, darf sie sich auf der Zunge zergehen lassen.

Die Walderdbeere ist kugelrund

Übrigens ist die Walderdbeere nicht die wilde Form der Gartenerdbeere. Die ist eine Kreuzung aus zwei amerikanischen Sorten, der Chile- und der Scharlach-Erdbeere. Die Walderdbeere hat auch eine ganz andere Form: Sie ist kugelrund, während Gartenerdbeeren länglich und spitz zulaufend sind.

Zuckersüße Winzlinge

Beim botanischen Namen der Walderdbeere, Fragaria vesca, haben die Biologen untertrieben. „vesca“ bedeutet nämlich „essbar“. Was natürlich stimmt. Aber „extrem lecker“ würde viel besser passen. Die Winzlinge sind nämlich zuckersüß und verbreiten den Duft des Sommers.

Gezackte Blätter

Die Verwandtschaft mit der kultivierten Form sieht man der Walderdbeere natürlich an. Beide haben die dreigeteilten und gezackten Blätter und die weißen Blüten mit fünf Blättchen, und die Früchte ähneln sich trotz der unterschiedlichen Form sehr.

Beeren, die keine sind

Blütezeit ist im April und Mai, die Bestäubung übernehmen Schwebfliegen und Bienen. Später bilden sich die Früchte – und jetzt wird es kompliziert:  Wir nennen sie Beeren, die Botaniker sagen aber „Sammelnussfrucht“ dazu – die eigentlichen Früchte sind die kleinen hervorstehenden Pünktchen auf der Oberfläche der Erdbeeren. Bei der kultivierten Form sind diese „Nüsschen“ gelb, bei der Walderdbeere meist rot.

Tiere helfen bei der Verbreitung der Pflanze

Die Natur hat sich dabei etwas gedacht. Die Erdbeeren schmecken nämlich nicht nur Menschen, sondern auch Vögeln, Säugetieren und sogar Schnecken, Käfern und Ameisen. Die Nüsschen mit den darin untergebrachten Samen haben eine harte Schale und werden später wieder ausgeschieden – und auf diese Weise sorgt die Walderdbeere für ihre Verbreitung.

Leckeres Rosengewächs

Allerdings hat die zu den Rosengewächsen gehörende Pflanze, die ungefähr 20 bis 25 Zentimeter hoch wird, noch eine weitere Methode der Ausbreitung gefunden. Sie bildet nämlich auch lange Ausläufer, an deren Enden neue Blätter entstehen – und wenn diese den Boden erreichen, wachsen neue Wurzeln.

Die Walderdbeere liebt sonnige bis halbschattige Plätze in Wäldern, aber auch im Garten gedeiht sie gut (man kann die Pflanze im gut sortierten Gartencenter kaufen).

Rote Früchte mit Heilkräften

Übrigens sind die roten Früchte nicht nur äußerst lecker, sondern auch noch sehr gesund. Sie haben einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt (vor allem steckt viel Vitamin C in ihnen). Der Arzt Hieronymus Bock pries sie als Heilmittel gegen Wunden und Zahnfleisch-Entzündungen und auch Hildegard von Bingen erwähnte die Früchte. Der schwedische Botaniker Carl von Linné soll mit Tee aus Walderdbeerblättern und dem Genuss der Früchte seine Gicht geheilt haben. Und Sebastian Kneipp setzte Walderdbeerblättertee als Stärkungsmittel für Kinder ein.

Blätter gegen Magenbeschwerden

Noch heute werden die gerbstoffreichen Blätter gegen Durchfall und anderen Magen-Darmbeschwerden eingesetzt, außerdem als Gurgel-Lösung gegen Halsentzündungen. Auch gegen Bronchitis sollen sie helfen.

Sonnenwarme Walderdbeeren – einfach unwiderstehlich

Wer die Früchte erntet, sollte sie nicht lange aufbewahren, denn Walderdbeeren verderben schnell. Am besten schmecken sie sowieso, wenn man sie noch sonnenwarm in den Mund steckt…

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