Die Winterlinde ist Baum des Jahres 2016

 

Die Winterlinde gehört zu den Bäumen, die 1000 Jahre alt werden können. Auch deshalb sind einige Exemplare sehr berühmt geworden – etwa die Tausendjährige Linde in Luckenwalde (die allerdings vermutlich „nur“ 750 Jahre alt ist). Jetzt wird die Winterlinde noch ein bisschen berühmter, denn sie ist Baum des Jahres 2016.

Winterlinde: Einer der häufigsten Straßenbäume in Berlin

In Berlin gibt es etwa 155.000 Linden – sie sind die häufigsten Straßenbäume der Stadt. Und die meisten davon sind Winterlinden. Mit ihren leicht herzförmigen Blättern, die sich im Herbst leuchtend gelb färben, den zarten, weißgelben Blüten, die im Juni und Juli ihren wunderbaren Duft verbreiten und den Kapselfrüchten mit Flugvorrichtung, die im Herbst auf den Boden segeln, ist die Winterlinde ein ganz besonderer Baum.

Kleinere Blätter als die Sommerlinde

Es ist allerdings nicht einfach, Sommer- und Winterlinde zu unterscheiden. Ein paar Merkmale: Die Winterlinde hat kahle Blattoberseiten (Sommerlinde: behaarte Blattoberseiten, die Blattunterseite ist heller (Sommerlinde: beide Blattseiten gleichfarbig), die Blätter der Winterlinde sind ein bisschen kleiner als die der Sommerlinde.

Fruchtkapseln lassen sich zerdrücken

Die Blüten der Winterlinde sind fünf- bis siebenblütig (Sommerlinde: meist dreiblütig). Die Fruchtkapseln der Winterlinde sind dünn und lassen sich leicht zerdrücken (Sommerlinde: dick und fest). Blütezeit der Winterlinde (Tilia cordata) ist im Juni und Juli, die Sommerlinde (Tilia platyphyllos, sie war übrigens 1991 Baum des Jahres) blüht etwa zwei Wochen früher, so ungefähr Anfang Juni. In der Zeit wird der Baum so von Bienen umschwärmt, dass man das Summen von weit her hören kann. Auch Schmetterlinge lieben die Blüten. Kein Wunder, dass Insekten in so großer Zahl kommen: Ein einziger Baum trägt bis zu 60.000 nektarreiche Blüten!

Der Mensch und die Linde

Schon immer hatten die Menschen eine besondere Beziehung zur Linde. Überall gibt es Dorflinden, einige davon wurden sogar besungen („Am Brunnen vor dem Tore“). Und in Deutschland gibt es über 850 Orte, in deren Namen die Linde eine Rolle spielt.
Die Winterlinde wird bis zu 30 Meter hoch und ist von auffälligem Wuchs. Oft hat sie eine hochgewölbte und etwas unregelmäßige Krone. Sie verträgt Schatten und steht zum Beispiel in Eichen-Hainbuchen-Wäldern. Aber häufiger sieht man sie in Parks und an Straßenrändern.

Heilmittel gegen Erkältungen

Aber die Linde kann noch viel mehr. Ein Tee aus ihren Blüten hilft gegen Husten und Erkältungen. Lindenblüten enthalten Flavonoide, darunter Quercitrin, Rutin und Astragalin, außerdem Schleimstoffe und ätherisches Öl. Die Schleimstoffe lindern Reizhusten, außerdem soll der Tee schweißtreibend wirken. Experten sind sich allerdings nicht sicher, ob der schweißtreibende Effekt nicht einfach von der heißen Flüssigkeit selbst kommt. Wer es ausprobieren möchte: Lindenblütentee hat einen sehr angenehmen, leicht süßen Geschmack.

Ein Tee mit angenehmem Geschmack

Die Blüten werden auch gegen Entzündungen, Sodbennen und Kopfschmerzen eingesetzt. Für den Tee übergießt man einfach zwei Teelöffel Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt den Tee zehn Minuten lang ziehen. Für eine Tinktur übergießt man die Blüten mit Weingeist und gibt das Ganze in ein verschließbares Glas. Alle Pflanzenteile müssen bedeckt sein. Gut verschlossen bis zu sechs Wochen ziehen lassen, abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen. Etwa dreimal täglich 10 bis 30 Tropfen einnehmen, bei Bedarf mit Wasser verdünnen. Die Tinktur ist innerlich und äußerlich anwendbar.

Die Winterlinde duftet nach Sommer

Ein bisschen hilft der Tee auch gegen trübe Herbst- und Winter-Stimmungen. Das liegt am Duft. Einmal einatmen – und schon sieht man die blühenden Winterlinden vor sich und fühlt sich wie im Sommer.

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