Warum die Eberesche auch Vogelbeere heißt

Eberesche
Eberesche

Die Eberesche gehört zu den Bäumen, die mit so ziemlich jedem Lebensraum zurechtkommen. Und wenn irgendwo eine Brachfläche entsteht, sind sie mit die ersten, die sich dort niederlassen. In Sibirien wächst sie ebenso wie auf Kreta. In Berlin sowieso.

Die Eberesche kann bis zu 120 Jahre alt werden

Meist wird die Eberesche um die 15 Meter hoch und kann bis zu 120 Jahre alt werden. Aber oft Ihre 15 Zentimeter langen Blätter bestehen aus bis zu 19 ovalen, etwa fünf Zentimeter langen Einzelblättchen (Fieder genannt). Die Fiederblätter sind am Rand gezackt, was man auf dem Foto gut sehen kann.

Schöne Blüten mit nicht so schönem Duft

Im Mai bildet der Baum wunderschöne schneeweiße Blüten, aber wer die Nase hineintaucht, zuckt schnell zurück: Der Duft erinnert an Fisch. Insekten stört das aber nicht – sie umschwärmen die Blüten in großer Zahl. Ganz nebenbei übernehmen sie die Bestäubung.

Rote Kugelfrüchte

Im August reifen die Früchte heran, denen die Eberesche ihren Zweitnamen Vogelbeere verdankt. Die leuchtend roten Kugeln, die in großen Büscheln vom Baum hängen, sind nämlich bei Vögeln sehr begehrt.

Lockmittel für Vogelfänger

Diese Vorliebe wurde den Tieren früher oft zum Verhängnis, denn Vogelfänger nutzten die Beeren als Lockmittel. Das trägt die Eberesche sogar in ihrem botanischen Namen Sorbus aucuparia – das zweite Wort leitet sich ab von „avis capere“, was soviel heißt wie „Vögel fangen“.

Verwandt mit Erdbeere und Apfel

Und wenn wir schon mal beim Namen sind: Auch  das mit dem Eber lässt sich erklären. Das Wort entstand aus „Aberesche“, was man mit „falsche Esche“ übersetzen kann. Mit der Esche ist die Eberesche allerdings gar nicht verwandt, sie gehört zu den Rosengewächsen (und ist damit mit Himbeere, Brombeere, Erdbeere, Pflaume, Kirsche und Apfel verwandt).

Lebensraum für unzählige Tierarten

So anspruchslos sie ist – die Eberesche ist Lebensraum für sehr viele Tiere. Vögel wie das Rotkehlchen, der Kleiber, der Grünspecht und der Seidenschwanz lieben die Früchte ebenso wie der Siebenschläfer und die Haselmaus. Rehe und Hirsche knabbern an den Blättern, unzählige Insekten ernähren sich vom Nektar und einige Schmetterlingsarten nutzen den Baum als Kinderstube für ihren Nachwuchs.

Bodenverbesserer

Aber die Eberesche kann noch mehr. Ihr Laub enthält viel Magnesium, was die Bodenqualität verbessert und den Baum vor Umweltbelastungen schützt.

Konfitüre aus Vogelbeeren

Die Beeren enthalten viel Vitamin C, Provitamin A und Sorbit. Roh können sie Magenschmerzen verursachen, aber gekocht schmecken sie angenehm süß und lassen sich zu einer leckeren Marmelade verarbeiten. Auch in manchen Schnäpsen sind Vogelbeeren enthalten.

Die Blätter des Baumes helfen (getrocknet und als Tee aufgegossen) gegen Husten und Verdauungsprobleme.

Verwendung für Holz und Borke

Und es geht noch weiter: Die Borke wurde früher zum Färben von Wolle verwendet (es entstehen Rot- und Brauntöne). Und das schön gemaserte Holz ist beliebt bei Kunsthandwerkern.

Ein Baum mit großer Bedeutung

Kein Wunder, dass ein solcher Baum auch kulturelle Bedeutung hat: Die Germanen weihten ihn der Gottheit Thor, und die Schotten setzen einen „Rowan Tree“ vor ihr Haus, um es vor Hexen zu schützen. Die Schweden pflanzen einen Baum vor den Viehstall, um die Tiere vor bösen Geistern zu bewahren. Und die Kelten pflanzten Ebereschen an ihre heiligen Stätten – sie sahen sie als Symbol des Wiedererwachsens.

Eberesche im Garten

Wie dem auch sei: Wer eine Eberesche im Garten hat, kann sich auf tierische Besucher vom Schmetterling über viele Singvögel bis zum Siebenschläfer freuen. Vom Fruchtgenuss ganz zu schweigen.

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