Edle Stoffe aus Pflanzenfasern bei der Fashion Week

Ich war gerade bei der Berlin Fashion Week, bei der zum siebten Mal neben den großen Modelabels wie Boss oder Rena Lange auch Öko-Designer edle Stoffe und ihre Kollektionen vorstellen (so kriegt man die Modewoche in einen Naturblog…). Was die Models bei der Schau im Green Showroom im Hotel Adlon vorgeführt haben, war von dem, was man früher mit Ökokleidung verbunden hat, meilenweit entfernt. Nachhaltigkeit kann also auch glamourös sein.

Alpaka aus Deutschland, Bambus oder Cashmere bei der Fashion Week

Die Labels beim Greenshowroom der Fashion Week, die nicht nur ökologische Materialien verwenden, sondern auch auf soziale Aspekte wie menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne achten und gerne auch mal recycelte Materialien in ihre Kollektionen einbauen, verarbeiten edle Stoffe – Seide, Leinen, Cashmere, Alpaka aus Deutschland, Baumwolle, Tyvek (sieht aus wie Papier, ist aber speziell bearbeitetes Polyethylen, das  man mehrfach recyceln kann) oder Bambus. Und es gibt noch mehr  Fasern, aus denen man Stoffe für Kleidung herstellen kann. Pflanzenfasern. Dazu gehört natürlich Hanf, aus dem man bekanntlich nicht nur Haschisch, sondern auch ziemlich robuste Stoffe herstellen kann. Ramie, das schon die alten Ägypter kannten und das zu leichten, seidigen Geweben verarbeitet wird.  Und – Brennessel.

 Die neue Karriere der Brennessel: Grundlage für edle Stoffe

Die hat nämlich nicht immer ein Schattendasein geführt (zu Unrecht, aber das ist ein anderes Thema für einen späteren Blogeintrag), früher galten Nesselstoffe als „Leinen der armen Leute“. Im Märchen ist noch die Rede von dem Stoff, der früher tatsächlich aus Brennesselfasern bestand und irgendwann fast in Vergessenheit geraten ist. Heute beschäftigen sich manche Stoffhersteller wieder damit. Und so schafft es die Brennessel sogar zur Fashion Week.

Zart wie Seide – Nesselstoffe bei der Fashion Week

Gewonnen wird die Faser meistens in Nepal, wo man sie nach alter Tradition von Hand herstellt, aber zwischenzeitlich zum Beispiel auch im Wendland, wo ein Unternehmer größere Flächen mit dem genügsamen Gewächs bepflanzt hat, das sogar mit Ungeziefer selbst fertig wird (die Brennhaare sind ein ziemlich schlauer Schutz gegen Fraßfeinde). Die fertigen Stoffe sind braun, grau oder goldgelb wie Stroh, reißfest und – wenn man weiß, wie es geht -, sogar zart wie Seide.  Wer weiß, vielleicht entwickelt sich die Brennessel ja sogar noch zur Lieferantin für Luxusmode? Beim Greenshowroom der Fashion Week ist alles möglich.

Übrigens: Der nächste Green Showroom der Fashion Week ist im Juli.

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2 thoughts on “Edle Stoffe aus Pflanzenfasern bei der Fashion Week”

  1. Ökomode ist schon lange nicht mehr öko und es ist schön, dass immer mehr das entdecken und darüber schreiben. Aber die Marken, besonders die sich im Green Showroom und auf der Ethical Fashion Show präsentieren, sind nicht nur grün, sondern leben ihre Philosophie auch in der gesamten Unternehmensstruktur aus. Sie produzieren in Kleinstserien und unter fairen Bedingungen. Besonders „Das“ macht die Marken auf den beiden Messen so „besonders“. Denn grün ist nicht fair und fair nicht grün.

    1. Das sehe ich genauso – und deshalb ist der Green Showroom für mich auch ein wichtiges Thema, gerade während der Fashion Week. Vielen Dank für den Hinweis!

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