Das Geheimnis der Eibe

Eibe
Eibe

Die Europäische Eibe ist ein faszinierender Baum. Nicht nur, weil sie die älteste Baumart Europas ist. Sondern auch, weil sie mit Schatten gut zurechtkommt und überhaupt viele Tricks hat, um zu überleben. Weil sie gleichzeitig giftig und heilkräftig ist. Und weil sie uralt werden kann. Im Moment trägt sie ihre auffälligen knallroten Früchte.

Eibe: mal Strauch, mal Baum

Manchmal bleibt sie ein Strauch, manchmal wird sie ein Baum – die Eibe (Taxus baccata) passt sich ihrem Standort an. Wenn sie auf Felsen steht, bildet sie oft sehr weitläufige Wurzeln, mit denen sie sich am Stein „festklammert“. Erkennen kann man sie an ihrer schuppigen, rotbraunen Borke und an den weichen Nadeln.

Winzige Blüten

Die Blüten dagegen kann man leicht übersehen. Sie erscheinen schon im zeitigen Frühling, so zwischen Februar und März und sehen aus wie winzige beige-gelbe Zapfen, die direkt an den Zweigen zwischen den Nadeln sitzen. Die männlichen Blüten sind ein bisschen größer als die weiblichen. Die Pollen sind winzig und werden mit dem Wind verbreitet. Die frühe Blütezeit hilft der Eibe, denn so früh im Jahr tragen die Bäume der Umgebung noch keine Blätter, die die Pollen der Eibe „auffangen“ könnten.

Knallrote „Beeren“ umhüllen die Samen

Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich die Samen, die von einem leuchtend roten Samenmantel, Arillus genannt, umhüllt sind. Zwischen August und November kann man die „Beeren“ sehen, die allerdings erst im nächsten Frühjahr keimen. Der Baum braucht dafür Tiere, die den Samenmantel fressen und die Samen dann unverdaut wieder ausscheiden. Und die Natur hat dafür gesorgt, dass der Arillus so süß schmeckt, dass Vögel ihm nicht widerstehen können.

Selten und geschützt

In der wilden Natur ist die Eibe eher selten – sie steht in Deutschland auf der Liste der gefährdeten Arten. Es gibt ein sehr berühmtes Gebiet, in dem sie häufig ist: den Paterzeller Eibenwald bei Wessobrunn (Bayern), wo mehr als 2000 Eiben stehen, von denen einige mehrere 100 Jahre alt sind. Auch in Dermbach (Thüringen) und in der Nähe von Bovenden-Eddigehausen bei Göttingen gibt es spektakuläre Eibenwälder.

Beliebter Park- und Friedhofsbaum

In Berlin sieht man Eiben überwiegend in Parks und auf Friedhöfen, zum Beispiel auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, auf dem das Foto entstanden ist. Diese Bäume sind noch verleichsweise jung – im höheren Alter haben sie oft hohle Stämme und einen eindrucksvollen Wuchs.

Unempfindlich gegen Schatten

Der Baum hat keine übermäßig großen Ansprüche an seinen Standort und verträgt sowohl trockene als auch feuchte Böden. Schatten macht ihr nichts aus, junge Eiben brauchen sogar Schatten, um wachsen zu können. Erst im höheren Alter vertragen sie die volle Sonne. Bevorzugter Standort sind lichte Mischwälder mit Eichen, Buchen und Nadelbäumen. Allerdings sind die jungen Pflanzen bei Wildtieren sehr beliebt und deshalb werden viele der Bäumchen abgefressen.

„Ötzi“ trug einen Stab aus Eibenholz bei sich

Das ist auch einer der Gründe, warum die Eibe selten geworden ist. Ein weiterer ist ihr Holz, das früher wegen seiner Härte und Festigkeit genutzt wurde. Bei der 5200 Jahre alten Gletschermumie „Ötzi“ zum Beispiel wurde ein Bogenstab gefunden, dessen Stiel aus Eibenholz besteht. Heute ist sie Holzlieferant zum Beispiel für Musikinstrumente.

Zähes Gewächs

Vielleicht wäre die Eibe schon ausgestorben, wenn sie nicht so zäh wäre. Sie schafft es, neu auszutreiben, wenn nur nur der Stumpf übriggeblieben ist. Und sie bildet auch immer wieder neue Triebe, wenn Teile des Baums durch Frost oder zuviel Sonne zerstört wurden. Extreme Trockenheit erträgt sie ebenso wie Frost.

Der gesamte Baum ist giftig

Übrigens ist beinahe der gesamte Baum giftig, was schon seit Urzeiten bekannt war. Es heißt, dass die Jagdgöttin Artemis mit Eibengiftpfeilen auf die Töchter der Niobe geschossen (und sie getötet) hat. Die Kelten vergifteten Pfeile mit dem Sud der Eibe und Gelehrte wie Plinius, Vergil und Paracelsus kannten die Giftigkeit ebenfalls.

Auch Weidetiere vertragen die Bestandteile nicht

Das Holz, die Nadeln und auch die Samen tragen Gifte in sich, nur der rote Samenmantel ist essbar. Die anderen Teile der Eibe schädigen die Verdauungsorgane, die Leber und sogar die Herzmuskulatur – der Puls beschleunigt sich, der Kreislauf sackt ab und es kommt zu Erbrechen. Schon 100 Gramm Eibennadeln können einen Menschen töten – er stirbt an Atemlähmung und Herzversagen. Auch für Pferde, Kaninchen und Schafe sind die Bestandteile der Eibe giftig, Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Feldhasen dagegen sind unempfindlich.

Heilmittel gegen Verdauungsprobleme

Umso erstaunlicher ist es, dass die Eibe auch eine wertvolle Heilpflanze ist. Früher heilte man damit Herzkrankheiten, heute werden einzelne Bestandteile als Mittel gegen Brust- und Eierstockkrebs eingesetzt. Zur Selbstmedikation eignet sich die Eibe allerdings wegen der Giftigkeit nicht. Allein in der Homöopathie ist sie verbreitet – als Mittel gegen Verdauungsprobleme und Hauterkrankungen.

Vögel lieben die Früchte

Wer Kinder und Tiere fernhält, darf sich auch im Garten über die Eibe freuen. Denn sie ist beliebte Nahrungspflanze von Vogelarten wie Amsel, Star, Grünfink, Seidenschwanz, Singdrossel und Gartenrotschwanz. Auch kleine Säugetiere wie der Siebenschläfer und die Waldmaus mögen die roten Früchte.

Die Eibe als Zierde in Schlossgärten

Und weil man sie gut beschneiden kann, steht die Eibe auch häufig als Hecke in Parks. Im Schlossgarten Schönbrunn zum Beispiel wurde aus Eiben ein Labyrinth gepflanzt, und in Versailles finden sich prächtige Skulpturen aus Eiben. Unbearbeitet, aber absolut sehenswert ist die „Fortingall Yew“ im Dorf Fortingall im schottischen Ort Perth and Kinross – mit 3000 bis 5000 Jahren gilt sie als Europas ältester Baum.

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