Ein Nashornkäfer beim Fototermin

Nashornkäfer Foto: Christian Seel
Nashornkäfer Foto: Christian Seel

Wer immer noch meint, dass eine Großstadt wie Berlin eigentlich keine wirklich „wilde“ Natur hat, der kann manchmal ein Wunder erleben. In diesem Fall: ein gehörntes Wunder, das vor einigen Tagen meinem Kollegen Christian Seel (er schreibt den Panoramabilder-Blog) buchstäblich vor die Füße gelaufen ist. Nicht mitten im Trubel, aber auch nicht im Wald fand diese Begegnung statt, die der Kollege gleich mit dem Fotoapparat festgehalten hat. Weil sie so besonders ist. Denn der Nashornkäfer, der ihm einen Besuch abgestattet hat, ist sehr, sehr selten.

Der Nashornkäfer hat ein gebogenes Horn als Waffe

Ein Seinen Namen verdankt der fast vier Zentimeter lange dunkelbraune Käfer dem Horn, das vorne am Kopf sitzt und beim Männchen nach hinten gebogen ist. Beim Männchen ist das Horn deutlich kürzer – der Käfer auf dem Bild ist also wohl ein Männchen. Das Horn dient ihm, wie sollte es anders sein, als Waffe im Kampf um die Frauen.

Sehen kann man Nashornkäfer sonst nicht auf der Straße, sondern am ehesten in abgestorbenen Bäumen, die schon sehr stark verfallen sind. Und da liegt auch das Problem: Solche Bäume gibt es nur noch ganz selten, weil viele Wälder aufgeräumt werden – nur dort, wo es genug Totholz gibt, hat der Nashornkäfer eine Chance. Er braucht das Sägemehl für seine Larven, die von Zellulosefasern leben.

Der Nashornkäfer ist streng geschützt

Der Käfer ist in ganz Europa und darüber hinaus zu sehen, sogar im Himalaya wurden schon Exemplare gefunden. In Deutschland ist die Art streng geschützt. Und das bedeutet nicht nur, dass man sie nicht fangen, verletzen oder gar töten darf, sondern auch ihre Brutstätten geschützt sind. Weil das mit dem Totholz so schwierig geworden ist, haben Experten angefangen, Ersatz zu schaffen: Sie verwendeten organisches Material wie faseriges Holzhäcksel, Pferdemist und Rindenmulch – und hatten Erfolg. Manchmal sieht man die großen weißen Larven des Nashornkäfers sogar in Komposthaufen, wenn dort genug Pflanzenfasern zu finden sind.

Der Käfer oben hat den Fototermin gelassen über sich ergehen lassen. Vielleicht weiß er ja, dass er etwas ganz Besonderes ist…


2 thoughts on “Ein Nashornkäfer beim Fototermin”

  1. Hallo Silke,
    weiß leider nicht, wie ich ein Bild hier unterbringe, aber mit dem Exemplar oben kann ich locker mithalten! Ich habe so einen Prachtkerl 2011 tatsächlich aus dem Komposthaufen ausgegraben. Weil er so ein Exot ist, kam er auf den Küchentisch zum Fototermin und danach wieder an seinen angestammten Platz. Ich habe ihn leider nie wieder gesehen.
    Gruß
    Heinz

    1. Lieber Heinz,
      ganz lieben Dank für die beiden Nachrichten!
      Der Nashornkäfer ist wirklich sehr selten – einen zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. In Berlin gibt es gelegentlich Führungen in Parks, in denen andere seltene Käfer leben, zum Beispiel der Heldbock. Ich habe eben mal auf der Seite „Umweltkalender Berlin“ geguckt – im Moment steht leider keine drin, aber es lohnt sich, immer mal zu gucken!
      Herzliche Grüße von Silke

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