Ein Uhu mitten in Berlin

Eigentlich haben es Uhus nicht so mit Menschen. Und schon gar nicht mit großen Städten, in denen es zu laut ist und zu belebt, und in denen es zu wenig Bäume gibt, auf denen sie Schutz finden. Aber manchmal verirrt sich doch eine dieser größten heimischen Eulen nach Berlin. Mitten in die Stadt – nicht in die Natur. Im Häusergewirr sorgt sie dann für mächtig Aufmerksamkeit. Was soll man auch sagen, wenn plötzlich ein 60 Zentimeter hoher Vogel mit Federohren vor einem sitzt?

Uhu in Berlin: „Schuhu“-Ruf  in der Großstadt

Ich selbst habe den Uhu leider nicht gesehen, er bleibt ja nicht sitzen, bis man ihn vor Augen hat. Aber einige Anwohner haben ihn bemerkt – nicht nur, weil er so groß ist, sondern auch, weil er gerade mitten in der Balz ist und etwas lauter als sonst. Sein Ruf „Schuhu“, der ihm den Namen beschert hat, ist selbst im Berliner Straßenverkehr gut zu hören.

Größer als die Waldohreule

Schon vor einigen Wochen tauchte der Uhu in Berlin auf, damals suchte er sich eine Platane in einem von Gebäuden umgebenen Hof in Mitte als Sitzplatz aus. Allerdings war man sich nicht sicher, ob der Vogel wirklich ein Uhu ist – man vermutete eher eine Waldohreule, weil die in strengen Wintern schon mal in Wohngebieten auftauchen. Aber dieser Vogel war deutlich größer, und irgendwann gelang einem Beobachter ein verwackeltes Beweisfoto.

Spannweite von fast 1,80 Metern

Und jetzt ist er wieder da! Gesehen wurde der Uhu nahe der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, sonst nicht unbedingt ein Platz für wilde Tiere. Neben den Krähen oder Elstern, die sein Auftauchen mit mindestens genauso viel Aufregung verfolgt haben wie die Menschen, wirkt der Uhu wie ein Riese. Immerhin hat er eine Flügelspannweite von fast 1,80 Metern, bei den etwas kleineren Männchen sind es etwa zehn Zentimeter weniger. Und dass die Krähen und Elstern so aufgeregt auf den Uhu reagiert haben, liegt daran, dass sie ziemlich gut in sein Beuteschema passen. Der Uhu ist ein geschickter Jäger, der Vögel sogar im Flug fangen kann. Weil er nachtaktiv ist (von der Balzzeit mal abgesehen), sucht er sich aber lieber leichtere Beute: schlafende Vögel, aber auch unvorsichtige Kaninchen oder Ratten.

Brutrevier für den Uhu in Berlin?

Ob sich der Uhu, der einen Ring trägt und nach Vermutung des Nabu irgendwo ausgebüxt ist, Berlin als Brutrevier ausgesucht hat, wird sich noch zeigen. Eigentlich bevorzugt er einsamere Gegenden, wo er an Felswänden, in alten Greifvogelhorsten oder in alten Gebäuden brütet. Meist legt das Weibchen zwei oder drei Eier, um die es sich allein kümmert. Die Jungen schlüpfen nach etwa einem Monat und können 14 Tage später schon stehen. Allerdings überleben nur sehr wenige Küken ihr erstes Lebensjahr. Erwachsene Uhus sind indessen wenig gefährdet und können in freier Wildbahn schon mal 27 Jahre alt werden. Wenn Sie also in nächster Zeit in Berlin mal einen sehr großen Vogel sehen, der ungefähr so aussieht wie der auf dem Foto, dann haben Sie viel Grund, sich zu freuen!

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