Eine Hommage an das Moor

Moorlandschaft in Berlin Foto: Silke Böttcher
Moorlandschaft in Berlin Foto: Silke Böttcher

Moore gehören für mich zu den faszinierendsten Biotopen. Weil sie so unzugänglich sind, weil sie die ungewöhnlichsten Tiere und Pflanzen beherbergen und weil sie eine ganz eigene kleine Welt sind. Dass sie inzwischen so selten geworden sind, macht diese Landschaften, die man auch in Berlin sehen kann, noch kostbarer.

Moor – ein Übergangsbereich zwischen Land und Wasser

Selten, ganz selten mal gibt es Führungen zu Mooren – immer nur mit wenig Teilnehmern und mit extremer Vorsicht, damit der empfindliche Boden keinen Schaden nimmt. Aber was ist eigentlich ein Moor? Man könnte ganz unwissenschaftlich sagen, es ist ein Übergangsbereich zwischen Wasser und Land, ein Ort, der kein Gewässer, aber auch kein trockenes Land ist. Pflanzen, die hier leben, stehen immer im Nassen – und sie sind es auch, die das Moor am Leben erhalten. Durch den Wasserüberschuss gibt es einen Sauerstoffmangel und der wiederum sorgt dafür, dass Pflanzenreste nicht wie andernorts abgebaut werden können – hier werden sie zu Torf.

Moore und Sümpfe

Man unterscheidet, wenn wir schon mal dabei sind, zwischen Hoch- und Niedermoor. Wobei ein Hochmoor ein Regenwassermoor ist – also dort entsteht, wo mehr Niederschlag fällt, als durch den Boden abfließen kann, und zwar das ganze Jahr über. Ein Niedermoor wiederum entsteht meist in Senken, wo sich nährstoffreiches Wasser sammelt. Es wird nicht nur durch Regen, sondern auch durch Grundwasser gespeist und entsteht häufig durch verlandende Gewässer. Dann gibt es auch noch Zwischenmoore, die dabei sind, vom Nieder- zum Hochmoor zu werden. Und um es kompliziert zu machen: Es gibt auch noch Sümpfe (das sind Feuchtgebiete, die meistens am Ufer von Seen oder Flüssen liegen und manchmal auch trocken fallen).

Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen

Allen gemeinsam ist, dass sie Lebensraum für ganz bestimmte Pflanzen sind – Schilfrohr und Rohrkolben etwa, aber auch die unterschiedlichsten Moose. Außerdem findet man in und am Rand von Mooren Wollgras und den fleischfressenden Sonnentau. In Schweden habe ich mal eine Art Moorinsel gesehen – sie schwamm auf einem See und war über und über mit Moos bewachsen. Betreten könnte man sie nicht, denn das Gewicht eines Menschen würde sie wohl nicht tragen. Was im übrigen auch generell für Moore gilt. Betreten wäre nicht nur schädlich für das Biotop – es wäre auch sehr gefährlich. Jeder kennt wahre oder erfundene Geschichten über Menschen, die im Moor versunken sind – tatsächlich ist es schwer, sich zu befreien.

Moore im Berliner Stadtgebiet

In Berlin sind Moore, wie schon gesagt, selten. Im Grunewald gibt es zum Beispiel das Postfenn, das aus einem verlandenden See entstanden ist und das durch das Absinken des Grundwasserspiegels ausgetrocknet ist. Oder das Riemeisterfenn nahe der Krummen Lanke. Ganz in der Nähe des Ökowerks findet sich das Teufelsfenn. Es ist ein streng geschütztes Naturschutzgebiet, das von Experten behutsam gepflegt wird, damit es nicht ebenfalls verlandet. So gibt es einen Bewässerungsgraben, außerdem wird der Bereich, der immer wieder zuwächst, regelmäßig ausgelichtet. Richtig gesund aber ist dieses Moor leider nicht.

Die Biotope binden sehr viel CO2

Nicht nur der sinkende Grundwasserspiegel gefährdet die Moore. Viele von ihnen dienten lange Zeit als Torf-Lieferanten (unter anderem für Blumenerde und als Brennmaterial). Die Zerstörung hätte allerdings fatale Folgen, denn obwohl Moore nur etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche bedecken, binden sie ein Drittel des CO2 – eine unvorstellbare Menge. Und wenn man bedenkt, dass diese Biotope außerdem noch Lebensraum für die unterschiedlichsten Pflanzen und Tiere (zum Beispiel unzählige teilweise seltene Libellen-Arten un der Moorfrosch) sind und sie zudem auch Rückzugsflächen für brütende Vögel sind (der bodenbrütende Kranich zum Beispiel, dessen Gelege auf diese Weise vor Fressfeinden geschützt ist), dann ist intensiver Schutz der Moore dringend notwendig. Einen Beitrag dafür kann jeder leisten: Kaufen Sie keine Blumenerde mit Torf. Es gibt längst Alternativen, die sich genauso gut verarbeiten lassen. Achten Sie einfach auf den Aufkleber „torffrei“ auf der Tüte.

Radtour zu Mooren und Seen im Grunewald

Wer gerne mal ein Moor sehen und einiges über diesen Landschaftstyp erfahren will, der sollte sich den 17. August vormerken. Von 10.30 bis 14 Uhr gibt es eine Radtour zu den Seen und Mooren des Grunewaldes. Dr. Wolfgang Landsberg-Becher und Annette Blum können viel über Moore und ihre Bedeutung sagen. Treffpunkt ist am S-Bhf. Nikolassee (Hohenzollernplatz), Endpunkt das Ökowerk. Kosten: 5, Kinder 3 Euro

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