Einjähriges Berufkraut: Ein Gewächs gegen Hexerei

Einjähriges Berufkraut
Einjähriges Berufkraut Foto: Silke Böttcher

Wenn es nicht so hoch wäre, könnte man das Einjährige Berufkraut glatt für ein Gänseblümchen halten – die Blüte sieht wirklich sehr ähnlich aus. Dasselbe gilt für die im Herbst häufigen Astern. Aber das Berufkraut ist doch eine ganz eigene Pflanzengattung. In Berlin kann man ihm begegnen.

Einjähriges Berufkraut und schwarze Magie

Um gleich eines zu klären: Mit „Beruf“ im klassischen Sinn hat die Pflanze nichts zu tun. Ihr Name hat eine andere Erklärung: Das Wort „Berufen“ steht für „Verhexen“. Und das Gewächs galt einst als starkes Mittel gegen Hexen und schwarze Magie. Wenn früher jemand glaubte, jemand habe ihm eine böse Krankheit angehext, dann hatte er die Möglichkeit, den Makel mit Berufkraut-Sud abzuwaschen. Oder er beauftragte Experten, die Krankheit mit Hilfe eines Zauberspruchs auf die Krankheit zu übertragen.

Auch Leinkraut, Aufrechter Ziest, Rainfarn und Sumpf-Schafgarbe wurden als „Berufkräuter“ genutzt. Zur eigentlichen Gattung aber gehören sie nicht.

Hoher Wuchs und tiefe Wurzeln

Das Einjährige Berufkraut wird zwischen 50 Zentimeter und einen Meter hoch und seine Wurzeln reichen bis zu einen Meter tief ins Erdreich. Die Blätter sind schmal und länglich. Die Korbblüten sind weiß, manchmal zartlila, und innen gelb.

Lebensraum Ödland

Bevorzugter Standort der Pflanze sind Ödland, Auwälder und Ufergebüsche, auch an Wegrändern und auf feuchten Wiesen kann man sie sehen. Die Blütezeit des Einjährigen Berufskrautes (Erigon annus), das auch als Feinstrahl bekannt ist, liegt zwischen Juni und Ende Oktober.

Fruchtstand mit weißem Haar

Den botanischen Namen „Erigon“ verdankt die Gattung dem Fruchtstand, der aussieht wie weiße Haare – „erio“ bedeutet „wollig“ und „geron“ steht für „Greis“. Wobei das Einjährige Berufkraut nicht die einzige Pflanze dieser Gattung ist: Weltweit gibt es bis zu 400 Arten.

Einwanderer aus Nordamerika

Das Einjährige Berufkraut ist ein Einwanderer aus Nordamerika – es wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Mitteleuropa gebracht. Heute ist es als Wildpflanze relativ häufig, als Ziergewächs dagegen selten geworden.

Einjähriges Berufkraut in der Heilkunde

Naturheilkundler nutzen auch die milden Heilkräfte des Gewächses – es hilft gegen Erkältungskrankheiten, Hautprobleme und wirkt gegen Rheuma und Gicht. Dass man früher mit der Pflanze nicht nur schwarze Magie bannen wollte, sondern sie zum Vertreiben von Flöhen einsetzte (in England heißt sie deshalb auch Fleabane = Floh-Verbanner) und Teile des Einjährigen Berufskrautes auf die Stirn band, um Geisteskrankheiten zu heilen, ist eine andere Geschichte…


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