Einsiedler in der Baumhöhle: der Eremit

Eremit Käfer
Eremit Foto: Carsten Böttcher

Der Name Eremit passt wunderbar zu diesem Käfer. Denn man sieht ihn so gut wie nie, weil er sehr zurückgezogen lebt. Wie ein Einsiedler eben. Nur dass der Käfer Baumhöhlen als Wohnung wählt. In der Berliner Natur habe ich ihn noch nie gesehen. Aber in Brandenburg: Das Foto ist in der Nähe von Caputh entstanden, in einem Gebiet mit vielen alten Bäumen und reichlich Totholz. Ein Paradies für Käfer.

Der Eremit ist eine sehr seltene Käferart

Auf den ersten Blick hat der Eremit ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Mistkäfer. Aber man sieht ihn sehr viel seltener, denn das Insekt steht in ganz Deutschland auf der Liste der gefährdeten Arten – in der Kategorie 2, die die sehr gefährdeten Arten enthält. Das Insekt ist ungefähr vier Zentimeter lang und hat einen braunschwarzen, leicht glänzenden Körper, dessen Oberfläche ein bisschen uneben ist.

Manche kennen den Eremiten auch als Juchtenkäfer – den Namen verdankt er der Tatsache, dass das Männchen einen Sexuallockstoff verströmt, dessen Duft an Juchtenleder erinnert. Wobei ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, wie Juchtenleder riecht. Irgendwo im Internet stand aber auch, dass der Eremit ein bisschen nach Aprikose duftet. Überprüft habe ich es nicht, denn wir haben erst zuhause herausgefunden, welcher Käfer uns da überhaupt begegnet ist.

Die Männchen werden nur drei Wochen alt

Dass man den Eremiten so selten sieht, liegt daran, dass er in hoch gelegenen trockenen Baumhöhlen lebt, die er fast nie verlässt – die Begegnung in Caputh war also ein richtiger Glücksfall. Der Mulm, also das zerfallende Holz in alten, aber noch lebenden Bäumen,  ist der Platz, an dem die Weibchen ihre Eier ablegen, aus denen dann die Larven schlüpfen. Der Nachwuchs ernährt sich von den Holzfasern, aber auch von dem Pilz, der den Baum zersetzt. Es dauert bis zu vier Jahre, bis aus den Larven neue Eremiten geworden sind!  Danach aber endet ihr Leben sehr schnell: Die Männchen werden nur drei Wochen, die Weibchen drei Monate alt.

Anspruchsvoll und standorttreu

Die Käfer sind echte Wärmeliebhaber. Unter 25 Grad fliegen sie nicht. Und wenn sie es bei wärmeren Temperaturen doch tun, dann entfernen sie sich höchstens 200 Meter von ihrer einstigen Kinderstube. Meistens bleiben sie, und so gibt es Bäume, in denen sehr viele Eremiten leben – und das schon seit langer Zeit. Es sind besonders Eichen- und Auwälder, in denen man den Käfer sehen kann, jene naturnahen Gebiete, die es nur noch selten gibt. Sobald in einem Gebiet ein Eremit auftaucht, muss es laut FFH-Richtlinie unter Schutz gestellt werden. Bäume mit Höhlen und Faulstellen dürfen dann nicht mehr gefällt werden. Sollten sie einsturzgefährdet sein, müssten notfalls sogar Wanderwege umgeleitet werden.

Der Eremit und „Stuttgart 21“

Etwas bekannter wurde der Eremit übrigens bei den Diskussionen um Stuttgart 21. Er sorgte Ende 2011 für einen zeitweiligen Stopp des Bauprojekts, weil mehrere alte Bäume im Schlossgarten gefällt werden sollten. Bäume, in denen der Käfer lebt…

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