Neobita – Einwanderer in der Natur

Asiatischer Marienkäfer
Asiatischer Marienkäfer Foto: Silke Böttcher

Bei uns in der Küche überwintert ein Marienkäfer.  Der Asiatische. Er hat sich das Fenster als Aufenthaltsort gesucht und wirkt ziemlich zufrieden. Soweit ich das bei einem Marienkäfer beurteilen kann. Das kleine Insekt, ein Einwanderer, taucht in den letzten Jahren häufig in Wohnräumen auf, manchmal bevölkern gleich ganze Schwärme Wohnungen und Häuser, wenn es in der Berliner Natur zu kalt ist.

Einwanderer aus Japan und China

Biologen sehen den Asiatischen Marienkäfer nicht so gerne, oder vielmehr seine Rolle als Invasor, als künstlich nach Europa eingeführte Art. Gekommen ist das Tier, das auch als Vielfarbiger oder Harlekin-Marienkäfer bezeichnet wird, aus Japan und China – anfangs wurde er als biologischer Schädlingsbekämpfer eingesetzt. Offenbar hat ihm die neue Umgebung gefallen, denn er hat sich stark vermehrt , so stark, dass Biologen befürchten, er könne die einheimischen Marienkäfer-Arten verdrängen.

Milliardenschäden durch eingeschleppte Arten

Der Asiatische Marienkäfer kann ja nichts dafür, aber tatsächlich verursachen die künstlich eingeführten Tier- und Pflanzenarten in Europa große Schäden. Mehr als 10.000 Einwanderer-Arten hat die EU-Umweltagentur gezählt und die Schäden auf zwölf Milliarden Euro pro Jahr beziffert!  Einige Arten wurden bewusst eingeschleppt, andere versehentlich von Reisenden mitgebracht.

Indisches Springkraut und Bärenklau

Insgesamt gibt es in Deutschland 1000 gebietsfremde Arten vor, von denen sich 400 etabliert haben. 40 davon werden vom Bundesamt für Naturschutz als invasiv bezeichnet. Dazu gehört der hautreizende Bärenklau, aber auch das (zugegeben sehr hübsche) Indische Springkraut, dass sich so stark ausbreitet, dass es andere Arten verdrängt. Das gilt u.a. auch für den Staudenknöterich, die Schmalblättrige Wasserpest, die Robinie und die Späte Traubenkirsche.

2016 wurden in der EU 37 „unerwünschte“ Tier- und Pflanzenarten festgelegt – sie gelten als invasiv und bedrohen die europäische Artenvielfalt.

Gefährliche Arten

Aber es gibt auch eingewanderte Tiere und Pflanzen, die wirklich gefährlich sind. Der Citrusbockkäfer zum Beispiel, ein aus Asien eingeschlepptes Insekt, befällt Laubbäume wie Ahorn, Birke und Buche und bringt sie zum Absterben. Die Asiatische Tigermücke verbreitet das gefährliche Dengue-Fieber. Und das Beifußblättrige Traubenkraut Ambrosia Artemisiifolia enthält sehr aggressive Pollen, die heftige Allergien auslösen können.

Niedlicher Einwanderer: der Waschbär

Auch der http://www.wildes-berlin.de/berliner-bar-im-kleinformat/Waschbär ist eine eingewanderte Art, die als invasiv gilt – das Tier gefährdet viele Brutvögel und Amphibien und frisst zudem die vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte und gräbt deren Eier aus. Und Ratten, die zum Beispiel auf tropische Inseln gebracht wurden, können ganze Lebensräume zerstören. Und in Australien verbreitet sich die hochgiftige Aga-Kröte, die ursprünglich als biologische Waffe gegen eine Maikäferplage ins Land gebracht wurde, explosionsartig aus und vergiftet sogar ihre Fressfeinde.

Einwanderer: Winterling und Tomate

Aber natürlich sind die meisten der eingeschleppten Arten harmlos, viele bereichern die wilde oder gezähmte Natur. Der Winterling, die Nachtkerze oder die Rosskastanie sind so eingebürgert, dass wir längst vergessen haben, woher sie ursprünglich kommen. Und hätten Sie gedacht, dass auch die Kartoffel, der Mais und die Tomate, die die heimische Küche bereichern, Einwanderer sind? Alle drei kommen ursprünglich aus Südamerika.


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