Der Eisvogel: Besuch beim fliegenden Diamanten

Eisvogel
Eisvogel

Der Eisvogel ist so bunt, dass man ihn eigentlich in den Tropen erwarten würde. Aber man kann ihm sogar in Berlins wilder Natur begegnen. Mit viel Glück. Denn der Vogel ist sehr, sehr scheu. Ich habe ihn einige Male in Brandenburg gesehen, im Schlaubetal und in der Nähe von Rheinsberg.

Der Eisvogel und sein Ausguck auf dem Ast

Viele kennen den Eisvogel aus einer Bier-Werbung, was ihm immerhin einige Aufmerksamkeit beschert hat. Denn der Vogel der Jahre 1973 und 2009 lässt sich in der Natur nur selten sehen. Das liegt daran, dass er klares Wasser mit ausreichend Fischen darin braucht und idealerweise auch noch Steilufer. Im Schlaubetal sind die Bedingungen ideal, weshalb man ihn dort ziemlich oft sehen kann. Manchmal sitzt er sehr dekorativ auf Ästen, die ins Wasser ragen.

Blitzschnell und wunderschön

Der kleine Vogel mit seinem orangeroten Bauch, dem türkisblauen Rücken, den charakteristischen weißen Streifen am Kopf und dem langen Schnabel braucht diese Aussichtspunkte, um nach Beute im Wasser zu suchen. Sobald er fündig geworden ist, stürzt er sich ins Wasser, taucht tief unter und zieht den Fisch oder das Insekt aus dem Wasser. Dabei ist er sehr schnell – zwei Sekunden nach dem Losfliegen ist er schon wieder aus dem Wasser heraus und trägt seine Beute auf den Ast, um sie dort im Ganzen herunterzuschlucken. Größere Fische schlägt er auf den Ast und schluckt sie dann mit dem Kopf zuerst herunter.

Eindrucksvolles Balzritual

Die Balz der Eisvögel beginnt spätestens im März, in sehr kalten Wintern etwas später. Wer das Glück hat, sie zu beobachten, ist beeindruckt: Das Männchen fängt nämlich kleine Fische und überbringt sie dem Weibchen als Geschenk – mit Verbeugung!

Vorliebe für Steilwände

Gebrütet wird bei Familie Eisvogel in Steilwänden ohne rutschigen Sand. Dort graben sich die Tiere tiefe Kessel, in die sie die Eier legen und gemeinsam behüten. Gefahr droht durch starke Regenfälle, die so manche Bruthöhle einstürzen lassen, aber auch durch Waschbären, Ratten und Füchse, die ungünstig angelegte Höhlen erreichen können. Die größte Gefahr aber ist der Mensch: Wer zu lange in der Nähe der Brut bleibt, der sorgt dafür, dass die Altvögel die Brutröhre nicht mehr anfliegen.

Strenger Schutz

Erkennen kann man den Eisvogel übrigens nicht nur an der leuchtenden Farbe, sondern auch am Ruf „tiiiit“ oder „tit-tit-tit“. Dass er so auffällig ist, hat ihm in der Vergangenheit nicht allzu gut getan: Seine Federn waren begehrt als Schmuck für Hüte und als künstliche Fliegen für Angler – das kostete tausende Eisvögel das Leben. Hinzu kam, dass Fischer den vermeintlichen Konkurrenten lange gejagt haben.

Lebensraum in Gefahr

Heute ist der Vogel streng geschützt, aber bedroht ist er noch immer, denn sein Lebensraum ist in Gefahr. Trockengelegte Feuchtgebiete und regulierte Flüsse verscheuchen den Eisvogel. Übrigens: Im Frühling gibt es regelmäßig Eisvogel-Führungen am Teltowkanal.

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