Faszinierendes Geschöpf: die Fledermaus

Breitflügel-Fledermaus
Breitflügelf-Federmaus

Als ich gestern Abend auf dem Balkon saß, flog eine kleine Fledermaus im Garten herum – mit eiligem Flügelschlag und im Zickzack-Flug. Es war so spannend, dass ich lange sitzengeblieben bin und sie beobachtet habe. Sie war viel zu schnell, um sie genauer sehen zu können. Oder zu ahnen, welche Art es war. Aber demnächst gibt es mehrere Fledermaus-Führungen und Veranstaltungen, bei denen man viel lernen kann.

Die Termine finden Sie am Ende dieses Textes.

Die Fledermaus – ein Blutsauger?

Etwas Geheimnisvolles umgibt diese Tiere. Blut saugen sollen sie, was sie zum perfekten Vorbild für neuzeitliche Vampire gemacht hat. Um das gleich mal zu klären: Ja, es gibt tatsächlich sogenannte Vampirfledermäuse, die sich von Blut ernähren. Allerdings bevorzugen sie Kleintiere und halten sich von Menschen fern. Sie leben im Süden der USA und in Südamerika.

Glücksbringer und Unheilsbote

In einigen Ländern gelten Fledermäuse als Glücksbringer, andere dagegen sehen sie als Unheilsboten. In Europa sind sie als Geschöpfe der Nacht eher unbeliebt, nicht umsonst wird der Teufel gerne mit Fledermausflügeln dargestellt. Man brachte sie früher mit Sünde und Tod in Verbindung und glaubte, die Seele würde sterbende Menschen in Gestalt einer Fledermaus verlassen.

Vorbild für Dracula und Edward Cullen

Kein Wunder, dass diese Tiere Vorbild für Figuren wie Graf Dracula waren – und für neuzeitliche Helden wie Edward Cullen aus „Twilight“. Aber den Tieren brachte dieser Ruhm kein Glück. Viele Arten stehen auf den Listen der gefährdeten Arten.

Lebensraum in Gefahr

Das liegt nicht nur daran, dass sie gejagt wurden (und teilweise immer noch werden), sondern vor allem an der Zerstörung ihres Lebensraums. Fledermäuse leben in Höhlen und Felsspalten, in Festungsanlagen, Ruinen und auch in Dachbereichen alter Häuser und Kirchen. Wichtig ist, dass die Unterkünfte Schutz vor schlechtem Wetter und vor Fressfeinden bieten.

Gruppenquartier in der Zitadelle Spandau

In Berlin ist die Zitadelle Spandau ein wichtiger Rückzugsort für Fledermäuse wie den Großen Abendsegler, auch und vor allem für den Winter. Den nämlich verbringen Fledermäuse im Schlaf, meist in großen Gruppen. In dieser Zeit sinkt ihre Körpertemperatur bis knapp über die der Umgebung, und weil Aufwachen viel Energie verbraucht, ist im Winter absolute Ruhe notwendig. Denn die Fettvorräte, die sich die Tiere angefressen haben, müssen bis zum Frühling reichen.

Die Tiere können bis zu 30 Jahre alt werden

Selten ist die Fledermaus, die zu den Säugetieren gehört, auch deshalb, weil sie nur einmal pro Jahr Nachwuchs bekommt. Allerdings kann sie bis zu 30 Jahre alt werden. Weibchen sind in der Lage, den Samen des Männchens monatelang im Körper zu bewahren, bis die Temperaturen günstig sind. Dann beginnt der Fötus zu wachsen.

Kinder-Aufzucht in der Wochenstube

Paarungszeit der Fledermäuse ist im Spätwinter, oft sind die Weibchen dann noch in der Aufwachphase, manche werden von mehreren Männchen begattet. Nach dem Winterschlaf treffen sich die trächtigen Weibchen in großen Gruppen in sogenannten Wochenstuben, der Nachwuchs kommt nach 40 bis 70 Tagen zur Welt. Die Weibchen ziehen die Jungtiere gemeinsam auf. Bis zum Hochsommer sind die jungen Fledermäuse ausgewachsen und flugfähig.

Jagd mit Ultraschallwellen

Besonders faszinierend ist die Jagd der nachtaktiven Tiere. Im Flug stoßen sie Ultraschallwellen aus, die von Beutetieren oder auch von Hindernissen wie ein Echo zurückgeworfen werden. Das Gehirn der Fledermäuse ist dabei in der Lage, zu erkennen, wie weit ein Baum oder ein Beutetier entfernt ist. Sie wissen sogar genau, wie schnell sich ein Insekt bewegt – und wohin. Fürs menschliche Ohr sind die Ultraschallwellen nicht zu hören. Tierschützer nutzen spezielle Detektoren, um die Wellen hörbar zu machen.

Spannende Ausstellung im Fledermauskeller

Infos über Fledermäuse bekommt man zum Beispiel im Fledermauskeller in der Zitadelle Spandau (Haus 4, Am Juliusturm 64, www.bat-ev.de), wo es eine sehr spannende Ausstellung gibt (und im Übrigen auch Plüsch-Fledertiere, Bücher, Schmuckstücke und Fledermauskästen, die an Bäumen oder Häusern aufgehängt werden können und den Tieren Unterschlupf bieten).

Führungen im Fort Hahneberg

Im Juli und August gibt es noch fünf Führungen zu Fledermäusen. Drei davon finden im Fort Hahneberg in Spandau statt: 29./30. Juli um 21 Uhr, Treffpunkt Hahnebergweg 50, feste Schuhe und Taschenlampe mitbringen. Anmeldung unter fledermaus@forthahneberg.de mit Angabe des Namens und der Anzahl der Personen notwendig, außerdem am 7. August um 15 Uhr, im Rahmen einer Führung zu Fauna und Flora im Fort Hahneberg (Treffpunkt: Hahnebergweg 50, Teilnahme 6, Kinder bis 16 J. 2,50 Euro).

Nachtwanderung und Ausflug in den Britzer Garten

Eine weitere Führung gibt es im Britzer Garten: 5. August, 19.45 Uhr, Treffpunkt Parkeingang Sangerhauser Weg, Anmeldung unter Tel. 90 277 30 00 oder vhs@ba-ts.berlin.de notwendig, Teilnahme: 6, erm. 3 Euro) und noch eine im Rahmen einer Nachtwanderung im Grunewald (5. August, 21 Uhr, Anmeldung unter waldmuseum-waldschule@web.de bzw. Tel. 030/813 34 42, Treffpunkt wird bei der Anmeldung bekannt gegeben. Teilnahme 5, Kinder 2,50 Euro).

Batnight am 27. und 28. August 2016

Ein Großereignis ist die Batnight 2016, die internationale Fledermausnacht, die in diesem Jahr am 27. und 28. August stattfindet. In Berlin gibt es Veranstaltungen im Fort Hahneberg – mit Vorträgen, Infoständen, Ausstellungen, Lesungen und Filmen (Termin: 27.8, 12 bis 20 Uhr, Info: www.forthahneberg.de/fuehrungen-und-veranstaltungen/fledermausfest). Auch im Park Sanssouci in Potsdam gibt es eine Veranstaltung zur Batnight (27. August, 19-21 Uhr, Treffpunkt am Grünen Gitter).

Besuch im Fledermaus-Museum

Im Fledermausmuseum in Märkische Höhe (OT Julianenhof), wo 12 der 18 in Brandenburg heimischen Fledermaus-Arten ihr Sommerquartier auf dem Dachboden des alten Gutshofes eingerichtet haben, gibt es am 28. August zwischen 18 und 20.30 Uhr Führungen und Ausflüge mit dem Bat-Detektor (Teilnahme 3 Euro).

Die Blumberger Mühle in Angermünde (27. August, 17-21 Uhr und der Nationalpark Unteres Odertal (20. August, 19-21 Uhr, Treffpunkt Wildnisschule Teerofenbrücke) bieten ebenfalls Fledermaus-Veranstaltungen an. Auf der Seite www.eurobats.org gibt es unter „International Bat Night“ Infos über die Veranstaltungen in den unterschiedlichsten Ländern, und auch beim Nabu gibt es unter dem blau unterlegten Link eine Karte mit Veranstaltungen.

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