Die Sommergesänge der Feldgrille

Sie produziert eine der Melodien des Sommers: die Feldgrille. Ihr durchdringendes Zirpen ist vor allem dort zu hören, wo es warm und sonnig ist. Kein Wunder, dass sie in Süddeutschland häufiger ist als im Norden – aber es gibt sie auch im kühlen Brandenburg. Häufig aber ist sie nicht.

Die Feldgrille ist etwa zwei Zentimeter lang

Zu sehen bekommt man die sehr scheue Feldgrille sogar noch seltener. Das Insekt, das zur Ordnung der Heuschrecken und der Familie der Echten Grillen gehört (Biologen lieben es kompliziert), ist mit seinem gedrungenen, etwa zwei Zentimeter langen schwarzbraunen Körper, den sechs kräftigen Beinen und dem breiten schwarzen Kopf keine ausgeprägte Schönheit, aber sehr eindrucksvoll. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich, das Weibchen hat aber am Hinterleib eine sogenannte Legeröhre (so wird der Ei-Ablegeapparat genannt – auf dem Foto ist sie zu sehen).

Flugunfähige Wärmeanbeterin

Fliegen kann die Feldgrille nicht, aber springen (das tut sie allerdings nicht oft) – sie ist dafür ein guter Läufer. Begegnen kann man der Wärmeanbeterin am ehesten auf trockenen Sonnenhängen, Feldern, auf Brachflächen und an Hängen. Dort ist sie vor allem zu hören. Wobei „sie“ in diesem Fall „er“ heißen muss, denn zirpen (die Biologen nennen das „stridulieren“) können nur die ausgewachsenen Männchen.

Wie die Grille das Zirp-Geräusch erzeugt

Das „Musikinstrument“ ist bei Grillen das sogenannte Dorsalfeld an den Vorderflügeln. Sie bewegen die Flügel schnell gegeneinander, das Geräusch entsteht durch die winzigen, sägeblattähnlichen Chitin-Zähne an der sogenannten Schrillader des Flügels, die über die eine glatte  „Schrillkante“ streifen. Die Menschen freut’s, gemeint aber sind die Weibchen. Oder die Rivalen. Den Weibchen teilen sie mit diesem Lockruf mit, dass sie paarungsbereit sind, den Rivalen signalisieren sie Stärke. Wobei es manchmal zwischen Männchen sehr heftige Kämpfe gibt, die sogar tödlich enden können.

Hören mit den Beinen

Interessant finde ich, dass die „Ohren“ der Feldgrillen-Weibchen in den Vorderbeinen sitzen. Dort gibt es jeweils ein großes und ein kleines Trommelfell, mit dem die Tiere einen potenziellen Partner im Umkreis von bis zu zehn Metern orten können. Sind sie paarungsbereit, dann laufen sie auf das Männchen zu. Das wiederum reagiert mit einem  Werbegesang, den das menschliche Ohr beinahe überhört,  während der anfängliche Lockruf bis zu 50 Meter weit schallt.

Abstand halten – oder das Zirpen verstummt

Wer einer Feldgrille zu nahe kommt, den erwartet: Stille. Die Insekten sind extrem scheu und verstummen sofort, wenn man sich nähert. Sie verschwinden dann in Erdlöchern, die sie gegraben haben.

Der Nachwuchs wird sich selbst überlassen

Nach der Paarung legt das Weibchen einige hundert Eier und kümmert sich nicht mehr darum. Die Larven schlüpfen nach maximal drei Wochen und beginnen sofort mit Fressen. Auf dem Speiseplan stehen wie bei den ausgewachsenen Feldgrillen Blätter und Wurzeln, aber auch kleine Tiere.

Das Insekt des Jahres 2003 ist selten geworden

Die Feldgrille, die übrigens Insekt des Jahres 2003 war, ist hauptsächlich zwischen Mai und Juli unterwegs. Aber sie ist inzwischen leider selten geworden, weil intensive Landwirtschaft ihren Lebensraum zerstört. In Brandenburg steht sie auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten.

Die Gesänge von Feldgrillen und anderen Heuschrecken

Übrigens zirpen auch viele andere Heuschreckenarten und sorgen für die sommerliche Geräuschkulisse. Allerdings haben sie unterschiedliche Methoden der Geräuscherzeugung und die „Gesänge“ klingen auch unterschiedlich – ratternd, schwirrend, surrend und manchmal erstaunlich melodiös.

Weitere Geschichten über Heuschrecken (Grashüpfer) und über eine Exotin, die zu den Fangschrecken gehört (Gottesanbeterin)

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