Filigrane Kunst aus Raureif

Raureif
Raureif

Es wird kalt in der Stadt. Richtig kalt. Mit Eis auf der Windschutzscheibe und weißen Atemwolken vor dem Mund. Zeit für die Wollhandschuhe und den dicken Mantel. Wenn man jetzt morgens zum Bus oder zum Auto eilt, sollte man aber den Kopf nicht zu sehr auf den Boden senken – es gibt einiges zu sehen am Wegrand. Vergängliche Kunst aus Raureif zum Beispiel.

Raureif-Schicht auf den Pflanzen

Viele Pflanzen sind mit einer filigranen Raureif-Schicht überzogen, die aussieht wie mit Zucker bestreut. Der Frost sammelt sich auf den feinen Härchen der Blätter, die zu kleinen Kunstwerken werden, aber nur für ganz  kurze Zeit. Schon gegen Mittag ist die zarte Pracht verschwunden. Also dran freuen, so lange sie noch da ist!

Strategien gegen Frost

Die kurze Kälte schadet den Wildpflanzen meist nicht, auch wenn längst nicht alle die kalte Jahreszeit überleben. Doch es gibt wahre Frostkünstler, denn die Natur hat sich einige Strategien gegen die Kälte einfallen lassen. Bäume werfen die Blätter ab, weil sie im Winter auf „Sparflamme“ laufen und die Wasserverdunstung einstellen – bei gefrorenem Boden fällt der Wassernachschub von unten aus und der Baum würde vertrocknen, wenn die Blätter noch dran wären.

Knospen schützen sich vor der Kälte

Die nächste Blattgeneration ist aber schon in Arbeit – zu sehen an dicken Knospen. Damit die nicht erfrieren, sind sie mit Harz überzogen oder tragen ein dickes Fell.

Manche Pflanzenart, etwa der Rhododendron, macht sich ganz klein und lässt die Blätter hängen, um direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden – Sonne würde dafür sorgen, dass die Pflanze Wasser verliert.
Pflanzen wie die Primel bilden sogar richtige Frostschutzmittel, sie bauen Stärke zu Zucker ab und setzen so den Gefrierpunkt des Wassers herab.
Ziemlich raffiniert, oder?

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2 thoughts on “Filigrane Kunst aus Raureif”

  1. Gut gewählte Texte mit interessanten Details und wunderschöne Fotos zeigen Berlin mal von einer anderen, versteckteren Seite, die oft unterschätzt wird. Tolle Idee und bitte weiterbloggen! 🙂

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