Franzosenkraut: unscheinbares Gewächs für Genießer

Franzosenkraut
Franzosenkraut Foto: Silke Böttcher

Franzosenkraut ist ein ulkiges Gewächs. Fünf schmale Zungenblüten verteilen sich um das dicke gelbe Blütenköpfchen – zwischen ihnen ist so viel Platz, dass man vermuten könnte, jemand hätte schon ein paar Blütenblätter herausgezupft. In Berlin und Brandenburg kann man die Pflanze sehen.

Franzosenkraut: von wegen Unkraut…

Manche nennen das Franzosenkraut, das auch als Kleinblütiges Knopfkraut bekannt ist, einfach nur „Unkraut“. Tatsächlich wächst es gern an Straßenrändern und Äckern mit stickstoffhaltigen Böden. Aber die Bezeichnung „Unkraut“ hat es trotzdem nicht verdient. Wer es im Garten entdeckt und einfach auszupft, dem entgeht einiges.

Lecker und sehr gesund

Die Blätter des Pflänzchens nämlich sind eine leckere Zutat für Salat – sie schmecken ein bisschen wie Kopfsalat, enthalten aber deutlich mehr Mineralien, Eiweiß und Vitamine: Der Magnesiumgehalt ist fünfmal, der Kalziumgehalt gar elfmal höher als der des Kopfsalats, beim Vitamin A liegt der Gehalt viermal, bei Vitamin C neunmal höher. Die Pflanze enthalt sehr viel Eisen (14 Milligramm pro 100 Gramm) und Mangan.

Zutat für Pesto und eine kolumbianische Hühnersuppe

Man kann das leicht nach frischem Kohl duftende Franzosenkraut roh genießen oder aber Blätter, Stiele und Blütenknospen zu Wildspinat verarbeiten. Auch als Zutat für Pesto ist die Pflanze sehr geeignet. Außerdem ist sie unverzichtbare Zutat für die kolumbianische Hühnersuppe Ajiaco de Bogotá. Die Samen kann man pressen und zu Speiseöl verarbeiten.

Triebspitzen abzupfen

Am besten schmeckt das Franzosenkraut, wenn man die Blätter vor der Blüte erntet. Wer nur die oberen Triebspitzen abzupft, der stellt sicher, dass die Pflanze immer wieder neu austreibt und noch dichter wächst. Auch als Viehfutter und als natürlicher Dünger ist das Franzosenkraut wertvoll.

Einwanderin aus Südamerika

Ursprüngliche Heimat der Pflanze ist Südamerika (das hat sie mit beliebten Gemüsesorten wie der Kartoffel, dem Mais und der Tomate gemeinsam). Nach Europa kam sie im 18. Jahrhundert: Im Jahr 1776 wurde das erste Exemplar in den Londoner Kew Gardens in die Erde gesetzt, wenig später wuchs es auch in anderen Botanischen Gärten. 1802 landete es im Botanischen Garten Berlin.

Von Gärtnern gefürchtet…

In Frankreich erkannte man schon früh den Wert des Gewächses als leckeres Wildkraut und baute es sogar an. Wo die Bedingungen passten, verbreitete es sich auch außerhalb von Gärten und Äckern. Und mancher Gärtner begann, das ausbreitungswütige Franzosenkraut, das sogar in Ritzen zwischen Steinplatten wächst, zu fürchten.

Woher das Franzosenkraut seinen Namen hat

Seinen Namen verdankt das Gewächs übrigens den Napoleonischen Kriegen.  Weil es sich ungefähr zur gleichen Zeit in Europa ausbreitete, wurde vermutet, die Franzosen hätten die Samen eingeschleppt. Das war zwar eine falsche Annahme, aber das Franzosenkraut hatte seinen Namen weg. Und in gewisser Weise sogar doppelt, denn auch der Name Knopfkraut hat mit den Franzosen zu tun: Die Blütenzungen sollen Ähnlichkeit mit den Knöpfen auf den französischen Uniformen gehabt haben.

Umso ulkiger ist es, dass die Franzosen zu der Pflanze „Russenkraut“ sagen. Woran das liegt, konnte ich allerdings nicht ergründen.

Verbreitung an Tierfell und mit Wind und Wasser

Blütezeit des Franzosenkrautes, das etwa 20 bis 30 Zentimeter hoch wird, ist zwischen Juni und Oktober. Es gibt zwei Arten, das Kleinblütige (Foto) und das Zottige Franzosenkraut. Das zu den Korbblütlern gehörende Gewächs bestäubt sich überwiegend selbst. Anschließend bilden sich Nüsschen, die Widerhaken tragen – auf diese Weise verbreitet sich die Pflanze. Die Samen bleiben am Fell von Tieren hängen, sie werden aber auch mit dem Wind bzw. auf dem Wasser weitergetragen. Aber auch ein Stück Stängel, von Tieren weitergetragen, kann zu einer neuen Pflanze werden.

100.000 Samen pro Pflanze

In Sachen Verbreitung geht das Franzosenkraut aber auf Nummer Sicher: Es bildet nicht nur bis zu 100.000 Samen pro Pflanze, die Samen sind auch noch viele Jahre lang keimfähig.

Die Wärmeliebhaberin verträgt keinen Frost

Bevorzugter Standort sind gut gedüngte Fläche in Gärten und auf Äckern, aber mit mageren Lebensräumen kommt das Franzosenkraut durchaus auch zurecht. Es liebt Sonne, aber Frost verträgt es nicht – kein Wunder, schließlich kommt es ursprünglich aus den Tropen.

Heilmittel gegen Erkältung und hohen Blutdruck

In seiner Heimat ist das Franzosenkraut auch als Heilmittel bekannt. Man sagt ihm blutreinigende Wirkung nach. Außerdem soll es gegen Erkältungen und gegen hohen Blutdruck helfen.

Franzosenkraut: „Unkraut“ mit inneren Werten

Wer also ein Exemplar des Franzosenkrautes in seinem Garten entdeckt, sollte es nicht als Unkraut rausrupfen, sondern stehenlassen. Und seine kulinarischen Vorzüge genießen. Oder man verschenkt das Pflänzchen an jemanden, der es zu schätzen weiß…

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