Sehr selten und wunderschön: der Frauenschuh

Frauenschuh
Frauenschuh Foto: Silke Böttcher

Der Frauenschuh ist so spektakulär, dass man ihn eigentlich eher in den Tropen vermuten würde. Dabei gibt es die streng geschützte Orchidee des Jahres 2010 sogar in Brandenburgs wilder Natur. Allerdings sehr, sehr selten.

Woher der Frauenschuh seinen Namen hat

Ihren Namen verdankt die wunderschöne Pflanze mit dem botanischen Namen Cypripedium calceolus ihren großen Blüten in gelb und braun. Und wer sie sieht, der kann sich kaum vorstellen, dass sich der Frauenschuh in der Landschaft beinahe unsichtbar machen kann.

Auffälligstes Detail ist der meist etwa vier Zentimeter lange gelbe, oben offene Schuh, der von vier weit abstehenden braunen sogenannten Perigonblättern (= Blütenhülle aus gleichgestalteten Blättern, bei denen nicht zwischen Kelch und Krone unterschieden werden kann) umrahmt wird. Bevor sich die Blüte öffnet, liegen die Blätter wie eine schützende Hülle dicht am Schuh an.

Der Schuh ist eine Insektenfalle

Schönheit hatte die Natur aber nicht im Sinn, als sie die Form der Frauenschuh-Blüte schuf. Sondern Vermehrung der Art. Der Schuh ist nämlich eine raffinierte Insektenfalle. Aber keine tödliche: Fliegen oder kleine Bienen werden durch den süßlichen Duft der Blüte angelockt, landen auf dem Schuhrand – und rutschen ab. Die Innenwände sind zu glatt, um wieder hochzuklettern. Der einzige Weg nach draußen führt direkt an Narbe und Staubgefäßen vorbei. Mit der Pollenladung auf dem Rücken wird das Insekt wieder in die Freiheit entlassen.

Kleine Insekten mogeln sich am Pollen vorbei

Allerdings brauchen die Bestäuber eine bestimmte Größe. Zu kleine schaffen es eventuell doch vorbei an den Pollen und zu große kommen nicht mehr aus der Blüte heraus – für sie ist der Frauenschuh dann doch eine tödliche Falle.

Die Orchidee, die etwa kniehoch wird und längliche, stark geaderte Blätter trägt, liebt lichte Wälder, sonnige Waldlichtungen und Waldränder und beansprucht basen- und kalkreiche Böden. Zu sonnige und zu trockene Gebiete meidet sie.

Warum die Pflanze so selten ist

Es gibt einige Gründe dafür, dass der Frauenschuh so extrem selten ist. Intensive Land- und Forstwirtschaft gehört dazu, sie zerstört die Lebensgrundlage der Pflanze. Aber leider gibt es auch Menschen, die sie ausgraben oder pflücken. Dabei steht die Orchidee auf der Liste der gefährdeten Pflanzen und gehört zu den besonders schützenswerten Arten der sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen der Europäischen Union).

In Brandenburg gibt es vermutlich nur einen Standort, der wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird, in Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Pflanze noch ein bisschen häufiger.

Anspruchsvolle Pflanze

Das Traurige ist, dass die Menschen, die den Frauenschuh ausgraben (was strengstens verboten ist), nur wenig über die Pflanze wissen. Denn der Standort spielt eine große Rolle, der Boden ebenfalls. Selbst Experten können oft nicht bis ins letzte Detail sagen, welches die richtigen Bedingungen sind. Außerdem lebt die Orchidee in Symbiose mit einem bestimmten Pilz. Im Garten geht sie beinahe immer ein oder bildet nur Blätter aus.

Frauenschuh: Gucken und Freuen ist erlaubt

Wer also einmal eine solche Pflanze in der wilden Natur sieht, sollte sich über die seltene Begegnung freuen (sehr), ein Foto machen, wieder weggehen – und über die Entdeckung schweigen. Und wer unbedingt einen Frauenschuh haben möchte: Kultivierte Pflanzen in unterschiedlichen Farben kann man im Gartencenter kaufen.

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