Verkannter Winzling: das Gänseblümchen

Gänseblümchen Foto: Silke Böttcher
Gänseblümchen Foto: Silke Böttcher

Ich glaube, das Gänseblümchen ist die meistübersehene Pflanze überhaupt. Es wächst so ziemlich überall – in der Berliner Natur ebenso wie in Parks und Gärten -, aber richtig wahrgenommen wird es eigentlich nie. Oder haben Sie sich schon mal gebückt und die Blüte etwas genauer angesehen? Ich finde, das Gänseblümchen hat jetzt endlich mal ein bisschen Lob verdient. Vielleicht wurde es auch deshalb zur Heilpflanze des Jahres 2017 erklärt.

Das Gänseblümchen: So hoch wie ein kurzer Grashalm

Die Pflanze, die zu den Korbblütlern gehört, muss sich schon ein bisschen anstrengen, um höhenmäßig mit Gras mithalten zu können. Wenn sie sich sehr streckt, schafft sie 20 Zentimeter Höhe, üblicher sind maximal 15. Das verschafft ihr einen Vorteil im Kampf mit dem Rasenmäher: Einige Gänseblümchen sind zu kurz, um weggemäht zu werden, die anderen wachsen binnen kürzester Zeit wieder auf  die ursprüngliche Höhe nach. Zu sehen ist die Pflanze erst, wenn sie blüht, denn ihre keulenförmigen Blätter sitzen direkt am Boden. Aber auch wenn die Blüten geöffnet sind, heißt das nicht, dass die Pflanze bemerkt wird.

Mauerblümchen und Diva

Damit ist das Gänseblümchen eigentlich ein Mauerblümchen, und das vollkommen zu Unrecht. Der berühmte schwedische Naturforscher Carl von Linné, der ihm seinen botanischen Namen „Bellis perennis“ gegeben hat, wusste das ganz genau. Denn der Name bedeutet soviel wie „ausdauernde Schöne“. Und das passt perfekt. Denn der weiße Stern mit den aufsitzenden gelben Röhrenblüten ist nicht nur wirklich wunderschön – das Pflänzchen hat auch einige besondere Eigenschaften.

Zum Beispiel schließt es seine Blüten, wenn es dunkel wird oder das Wetter schlecht ist (was für eine Diva spricht). Es blüht von Februar bis November (starkes Durchhaltevermögen), kann die Zukunft vorhersagen („er liebt mich, er liebt mich nicht…“) und ist eine ausgezeichnete Küchen- und Heilpflanze. Deshalb hat es die Ernennung zur Heilfpflanze des Jahres 2017 auch wirklich verdient.

Wertvolle Heilpflanze

Die nussartig schmeckenden Blüten (am besten nicht ganz geöffnete nehmen) veredeln Salate, außerdem enthält die Pflanze Saponine, Bitterstoffe und ätherische Öle, die sie zu einem Mittel gegen Haut- und Leberkrankheiten machen. Auch gegen Kopfschmerzen, Schwindelanfällen, Husten und Regelschmerzen wird das Gänseblümchen eingesetzt. Dass es heute ein bisschen vergessen ist, würden unsere Urahnen kaum verstehen. Früher schmückte man Grabbeigaben mit den Blüten, König Ludwig IX trug das Gänseblümchen im Wappen und am berühmten Ishtar-Tor im Pergamonmuseum ist es auch zu sehen. Ziemlich viel für so eine kleine, oft übersehene Pflanze, oder?

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