Begegnung mit einem Geistchen

Schlehen-Geistchen Foto: Carsten Böttcher
Schlehen-Geistchen Foto: Carsten Böttcher

Sie glauben nicht an Geister? Dann werden Sie jetzt staunen. Es gibt sie nämlich, auch wenn sie nicht wirklich gruselig sind: Geistchen heißen die kleinen Schmetterlinge, die zur Familie der Federmotten gehören. In der Berliner Natur habe ich noch keines gesehen, aber in einem lichten Nadelwald in Brandenburg ist mir eines begegnet. Und ich war entzückt.

Das Geistchen – ein federzarter Schmetterling

Das kleine Geschöpf kletterte auf einem Natternkopf herum und ließ sich vom Fotografen nicht weiter stören. Zum Glück. Denn es ist so zart, dass man es kaum wiederentdecken würde, wenn es ein Stück wegfliegen würde.

Zweieinhalb Zentimeter Flügelspannweite

Der Schmetterling auf dem Foto wird auch Schlehen-Geistchen (Pterophorus pentadactyla) genannt. Mit Schlehen hat er allerdings nicht mehr zu tun als mit anderen Pflanzen. Er hat eine Flügelspannweite von ungefähr zweieinhalb Zentimetern und Flügel, die ein bisschen ausgefranst aussehen – wie Federn eben. Auffällig sind die extrem langen, gespornten Hinterbeine des Schmetterlings.

Über 1000 Arten weltweit

Weltweit gibt es über 1000 Federmotten-Arten, die sich fast über den ganzen Globus verteilen – in Spanien gibt es sie ebenso wie in Grönland, in Wüstengebieten kommen sie genauso vor wie in Wäldern, Mooren und auf den Bergen der Alpen. Die meisten sind überwiegend abends oder nachts aktiv.

Schlehdorn und Rose als Kinderstube

Das Schlehen-Geistchen hat eine enge Beziehung zu Pflanzen wie der Zaunwinde, der Ackerwinde, dem Schlehdorn und Rosen. Diese Pflanzen bevorzugt es für die Eiablage. Die Eier werden unter junge Blätter geklebt, und wenn die Raupen geschlüpft sind, machen sie sich sofort daran, ihre Kinderstube aufzufressen. Einige der Raupen verpuppen sich im Sommer, andere überwintern erst und verschieben die Verpuppung auf das kommende Frühjahr.

Das Geistchen: Unterwegs auf ungemähten Wiesen

Sehen kann man die nicht seltenen Geistchen auf ungemähten Wiesen, Feldern, Gärten und buschigem Gelände, die größten Chancen hat man zwischen Mai und September. Unterwegs sind sie – wie sollte es anders sein: zur Geisterstunde. Die Falter sind nämlich dämmerungs- und nachtaktiv.

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