Geschickter Fischer an Berliner See-Ufern

Graureiher Foto: Carsten Böttcher
Graureiher Foto: Carsten Böttcher

So richtig eilig hat es der Graureiher selten. Glaube ich. Denn wenn man ihn in der Natur an den Ufern der Berliner Seen sieht, dann fliegt er erst auf, wenn er unbedingt muss. Vorher setzt er darauf, nicht bemerkt zu werden. Die Kunst des Sich-Unsichtbar-Machens beherrscht er jedenfalls perfekt. Er steht manchmal minutenlang unbeweglich im flachen Wasser und wartet buchstäblich darauf, dass ihm die Beute vor die Füße schwimmt. Wenn sie das tut, ist er blitzschnell. Und hat meist Erfolg beim Fischen mit dem langen Schnabel.

Unauffällig am Boden, auffällig in der Luft

Dass man einen Vogel mit fast einem Meter Größe und bis zu zwei Metern Flügelspannweite  übersehen könnte, ist erstaunlich. Aber der Graureiher, der manchmal mit dem Storch oder dem Kranich verwechselt wird,  ist nicht nur ein sehr unbewegliches Tier. Er scheint mit seinem weiß-grauen Gefieder, dem  schwarzen Fleck am Kopf und der schlanken Gestalt tatsächlich mit der Umgebung zu verschmelzen. Das kann man auch ein bisschen auf dem Foto sehen, das an der Havelchaussee nahe Schildhorn entstanden ist. Der Vogel kümmerte sich nicht weiter um uns, bemerkte aber sehr wohl, wenn der Sicherheitsabstand zu klein wurde – dann stakste er ein paar Schritte weiter.

So unsichtbar der Graureiher im Schilf ist: Sobald er auffliegt, bemerkt und erkennt man ihn sofort:  Beim Flug krümmt sich sein Hals nämlich zu einem auffälligen „S“, die Flügelschläge sind langsam und schaufelnd. Dazu stößt der Graureiher ein raues Krächzen aus. Keine Chance, ihn zu übersehen.

Graureiher in Berlin

Sehr selten ist der Graureiher glücklicherweise nicht, was daran liegt, dass er sich gut an seinen Lebensraum anpassen kann. Wasser ist wichtig, aber es darf statt eines Sees auch ein Fluss, ein Teich oder ein anderes Gewässer sein.  Selbst in Berlin sieht man den schönen Vogel deshalb – falls man ihn denn bemerkt – vergleichsweise häufig, manchmal sogar im Winter. Die meisten aber ziehen im September in wärmere Gefilde und kehren Anfang März zurück. Dann beginnt die Paarungszeit. Ihre Nester bauen die Graureiher hoch oben in Bäumen und kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. Der wächst übrigens blitzschnell: Schon nach 50 Tagen können die Jungtiere fliegen.

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