Geselliger Himmelsstürmer: der Mauersegler

Mauersegler
Mauersegler Foto: NABU/Fotonatur

Wenn man im Sommer die Mauersegler mit viel Gekreisch am Himmel herumtoben sieht, dann könnte man fast glauben, sie feiern eine Party. Es ist beeindruckend, ihnen zuzusehen. Beim Sturzflug schaffen sie locker Tempo 200, und wenn sie nicht gerade brüten, dann sind sie monatelang ohne Pause in der Luft. In der Berliner Natur und sogar mitten in der Stadt sieht man sie häufig.

Im August sind die Mauersegler wieder verschwunden

In diesem Jahr sind die Mauersegler, die zu den Zugvögeln gehören, erst spät gekommen. Normalerweise kommen sie Anfang Mai, diesmal waren zur Stunde der Gartenvögel noch deutlich weniger Mauersegler als in den vergangenen Jahren in Berlin zu sehen. Was sehr schade ist, denn Anfang August verabschieden sie sich schon wieder, um in Richtung Äquator aufzubrechen. Dann ist es vorbei mit der Toberei am Himmel.

Ein Leben in der Luft

Auch wenn es schwer ist, die Mauersegler genau zu sehen, kann man erkennen, dass sie perfekt an ein Leben in der Luft angepasst sein. Ein bisschen ähneln sie den Schwalben, sie sind aber größer – ihre Flügelspannweite liegt bei ungefähr 40 Zentimetern. Ihre Flügel haben die Form einer Sichel, der kurze Schwanz ist gegabelt. Das ermöglicht ihnen einen schnellen und wendigen Flug. Die Briten haben dem Mauersegler deshalb den sehr passenden Namen  „swift“ („flink“) gegeben.

Tempo 20 im Schlaf

Das „normale“ Tempo der Vögel liegt bei bis zu 50 Stundenkilometern, wenn sie sie auffliegen, schaffen sie das Doppelte, und das Sturzflug-Tempo während der Jagd nach Insekten habe ich ja schon erwähnt. Selbst wenn sie schlafen (das tun sie auch in der Luft in großer Höhe), haben sie immerhin noch mehr als 20 Stundenkilometer drauf. Flugzeugdesigner könnten sich bestimmt einiges von der aerodynamischen Körperform des Mauerseglers abgucken.

Der Ruf  des Mauerseglers

Mindestens so eindrucksvoll wie ihr Flug ist der Ruf der Vögel. Er ist so laut, dass er sogar den Straßenverkehr an der Leipziger Straße übertönt – und das ist schon eine ziemliche Leistung, denn an der Straße herrscht Dauerlärm. Den Ruf, der wie ein langgezogenes „Sriiii“ klingt, hört man nur, wenn mehrere Mauersegler unterwegs sind. Der Ruf unterscheidet die Vögel auch von den Schwalben, die viel leiser und unauffälliger kommunizieren.

Brutplatz Mauerloch

Am Erdboden sind die Mauersegler tatsächlich nur, wenn sie brüten. Und dafür brauchen sie hohe Gebäude mit Hohlräumen unterm Dach. Glatte Fassaden nutzen ihnen nichts, an Kirchen, historischen Bauwerken oder Fabrikgebäuden brüten sie häufiger, weil es dort meistens Vorsprünge, schiefe Ziegel oder Hohlräume gibt.

Früher brüteten die Mauersegler an Felsen, aber weil es davor nur wenige gibt, haben sie umdisponiert und nutzen Häuser. Die Nähe von Menschen stört sie nicht. Oft brüten sie in Kolonien von mehreren Paaren.

Mauersegler flüchten vor Unwettern

Nur ungefähr drei Monate sind sie mit der Brut beschäftigt, dann beginnt der weite Flug in den Süden. Übrigens flüchten Mauersegler (jedenfalls jene, die nicht brüten) vor schlechtem Wetter. Sie müssen die Kaltfronten irgendwie spüren, denn sie fliegen schon los, wenn das Unwetter noch 500 Kilometer entfernt ist. Vielleicht bleiben ihnen (und uns) solche Wetterlagen in diesem Sommer ja erspart.

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