Der Große Abendsegler und andere Fledermäuse in Berlin

Von nahem sieht man dieses Tier so gut wie nie. Aber vermutlich ist Ihnen schon mal ein Großer Abendsegler begegnet. Denn diese Fledermaus ist zwar nicht häufig, gehört aber trotzdem zu den Fledertier-Arten, die man in Berlin am ehesten sehen kann.

Der Große Abendsegler liebt Waldgebiete

Insgesamt gibt es 17 Fledermaus-Arten in der Hauptstadt, fünf davon verbringen auch den Winter hier. Großer Abendsegler, Zwergfledermaus und Breitflügelfledermaus sind die Arten, die sich in der Stadt am wohlsten fühlen. Obwohl sie sich vor allem in Waldgebieten aufhalten und Häuserschluchten eher meiden.

Flügelspannweite von 40 Zentimetern

Eigentlich hat der Große Abendsegler zumindest einen Teil seines Namens nicht verdient. Er ist mit nur etwa acht Zentimetern Körperlänge nicht wirklich groß – aber das ändert sich, wenn er seine Flügel aufspannt: Dann kommt er auf stolze 40 Zentimeter Spannweite.

In der Dämmerung aktiv

Unterwegs ist die rostbraune Fledermaus vor allem in der Dämmerung,  jetzt im Herbst aber sieht man sie (sofern sie nicht schon im Winterschlaf ist) auch schon mal tagsüber. Im Flug fängt sie Insekten und kann dabei bis zu 60 Stundenkilometer schnell werden! Bei der Jagd nutzt sie ein Echo-Ortungssystem: Sie stößt für Menschen unhörbare Schreie aus, die von Gegenständen reflektiert werden.

Auf diese Weise erfährt sie, wo Hindernisse sind. Und sie merkt, wo Beutetiere fliegen. Ihr Ultraschall-Ortungssystem ist so genau, dass sie sogar winzige Tiere von weniger als 0,2 Millimetern Durchmesser erkennen kann. Diese Technik ist der Grund für ihren zackigen Flug – sie weicht Hindernissen aus oder hält auf Beutetiere zu.

Fliegendes Säugetier

Obwohl man sie gelegentlich am Abendhimmel sehen kann, sind Fledermäuse in Berlin nicht wirklich häufig. Vor 25 Jahren war die Zahl der fliegenden Säugetiere so gering, dass der Senat ein Schutzprojekt gegründet hat. Eine Maßnahme waren Winterquartiere, die eingerichtet wurden – und die Zahl der Fledermäuse nahm tatsächlich zu.

Winterquartier in der Zitadelle Spandau

Inzwischen überwintern 11.000 Fledermäuse in Berlin, die meisten in den Gewölben der Zitadelle Spandau, wo sie ausreichend Ruhe haben und es kühl, aber nicht zugig ist. Das nämlich ist lebenswichtig: Im Winter fahren die wärmeliebenden Tiere ihre Körpertemperatur, den Herzschlag und die Atmung sehr stark nach unten, sie leben dann von dem, was sie sich angefressen haben. Wenn sie wach werden, kostet sie das viel Energie.

Der Abendsegler sorgt ab Mai für Nachwuchs

Erst im Mai wachen der Große Abendsegler und die anderen Fledermäuse wieder auf und beginnen mit der Paarung, der Nachwuchs wird im Juni geboren. Im Sommer haben sie andere Quartiere, in denen sie sich aufhalten. Etwa in Spalten und Hohlräumen in Hausfassaden, auf Dachböden und zwischen Dachziegeln.

Und genau dort liegt ihr Problem, denn solche Spalten an Häusern werden meistens von den Besitzern geschlossen, was den Tieren den Lebensraum nimmt. Wer ihnen helfen möchte, hält solche Bereiche offen. In Parks und Gärten sollte man darauf achten, dass es genug alte Bäume mit Löchern gibt, in denen Fledermäuse und andere Tiere Unterschlupf finden können.

Besuch im Fledermauskeller

Wer mehr über den Großen Abendsegler und andere Fledermäuse wissen möchte, der sollte unbedingt mal den Fledermauskeller des Berliner Artenschutz-Teams (BAT) in der Zitadelle besuchen. Dort leben in einem Schaugehege etwa 200 (meist tropische) Fledermäuse, und man bekommt reichlich Informationen über die Lebensweise der geheimnisvollen Tiere. Auch Führungen in die Paarungs- und Winterquartiere werden angeboten, allerdings nicht das ganze Jahr über.

Fledermauskeller, Zitadelle Spandau, Haus 4. Geöffnet tgl. 12-17 Uhr. Info: www.bat-ev.de

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