Hain-Wachtelweizen – Symphonie in Lila und Gelb

Hain-Wachtelweizen Foto: Silke Böttcher
Hain-Wachtelweizen Foto: Silke Böttcher

Als ich den Hain-Wachtelweizen zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, da hätte jemand mit einem Farbeimer nachgeholfen. Denn die lilafarbenen Hochblätter der Pflanze gehen teilweise in Grün über – sie wirken wie mit Farbe besprüht. Aber hier wurde nicht gemogelt: Der Wachtelweizen sieht tatsächlich so aus, er ist spektakuläres Gewächs, das man mit etwas Glück in Brandenburg sehen kann.

Hain-Wachtelweizen: eine spektakuläre Pflanze

Der Hain-Wachtelweizen wird ungefähr 30 bis 50 Zentimeter hoch. Seine unteren Blätter sind länglich und die oberen (die Hoch- bzw. Deckblätter) gezähnt, beinahe dreieckig und leuchtend lila. Die obersten Deckblätter sind komplett lila gefärbt, weiter unten gibt es einige mit grüner und lila Farbe. Einen Kontrast dazu bilden die leuchtend orangegelben Blüten, die seitlich hervorstehen.

In Berlin kann man einen Verwandten sehen

Besonders reizvoll ist, dass der sehr seltene und unter Schutz stehende Hain-Wachtelweizen zu den geselligen Pflanzen gehört. Wo er wächst, steht er oft in großer Zahl – ein wunderschöner Anblick. In Berlin ist er mir leider noch nicht begegnet, hier sieht man eher den Wiesen-Wachtelweizen, dessen Blüten ähnlich aussehen, aber die violetten Hochblätter fehlen und die unteren Blätter sind lang und schmal.

Der Hain-Wachtelweizen liebt Trockenrasen und Waldränder mit nährstoffreichem Boden. Er steht meist am Rand von Gebüschen, die ihn vor direkter Sonne schützen.

Woher die Pflanze ihren Namen hat

Mit Getreide-Weizen hat die Pflanze übrigens trotz des Namens nichts zu tun. Oder nur indirekt: Seine sechs bis neun Millimeter langen Früchte ähneln Weizenkörnern. Wie die Wachteln ins Spiel kamen, kann man nur vermuten – sie könnten eine Vorliebe für die Samen der Pflanze haben.

Der Hain-Wachtelweizen ist ein Halbschmarotzer

Interessant ist die Lebensweise des Hain-Wachtelweizens: Wie seine Verwandten ist er ein Halbschmarotzer, der seine Wurzeln ins Wurzelwerk anderer Pflanzen (beim Hain-Wachtelweizen sind es Gräser, aber auch Gehölze) bohrt und dem Wirt Wasser und Nährstoffe entzieht. Ernsthaften Schaden richtet er aber nicht an. Bestäubt wird er von langrüsseligen Insekten, etwa Hummeln. Um die Samen kümmern sich Ameisen, die eine Vorliebe für die fleischige Hülle haben. Sie schleppen die Früchte fort und sorgen so ganz nebenbei für die Verbreitung.

Weitere Pflanzen, die Trockenrasen lieben

Natternkopf

Heidenelke

2,364 total views, 4 views today


6 thoughts on “Hain-Wachtelweizen – Symphonie in Lila und Gelb”

  1. habe gestern einen schönen bestand in oberösterreich gesehen.
    es wurde gesagt, die pflanze sei schwach giftig, ich konnte darüber bisher nichts finden.
    könnte mir wer auskunft geben ??
    im voraus besten dank

    1. Hallo, Frau Schlossleitner,
      die Gattung Wachtelweizen allgemein enthält das Glykosid Aucubin, einen sekundären Pflanzenstoff, der zum Beispiel auch im Spitzwegerich-Saft enthalten ist. Er ist giftig, hat gleichzeitig aber auch eine heilende Wirkung: Spitzwegerich-Saft zum Beispiel wirkt entzündungshemmend.
      Mit freundlichen Grüßen
      Silke Böttcher

    1. Hallo, Herr Bruckner,
      nein, da haben Sie Recht, Wachtelweizen ist leicht giftig. Ich kenne den Begriff Hainmehl leider gar nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass Ihre Großmutter vielleicht mit Mehl aus Bucheckern gebacken hat, und der Begriff vom Wort „Hain“ für „Wäldchen“ abgeleitet wurde. Infos über Bucheckern gibt es hier im Blog und mit Rezepten beim Nabu: http://www.nabu.de/oekologischleben/essenundtrinken/ausdernatur/14179.html.
      Herzliche Grüße
      Silke Böttcher

  2. Ich habe eine wunderschöne Ansammlung von Hain-Wachtelweizen in der Nähe von Braunschweig entdeckt! Zum Hinknien schön! Vor ca. 6 Jahren noch ein paar Pflanzen und nun eine Augenweide, die bis in den Wald hineinwächst.

    1. Liebe Gabriele,
      das ist eine tolle Nachricht – der Hain-Wachtelweizen ist wirklich wunderschön. Und ziemlich spektakulär, finde ich. Liebe Grüße von Silke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2012-2017 Silke Böttcher · Wildes Berlin · All Rights Reserved

Facebook
thomas davisthomas davis