Auf Heldbock-Pirsch im Schlosspark

Das Auffälligste am Heldbock sind die Fühler. Die können locker doppelt so lang sein wie der Käfer selbst – und der ist mit seinen zweieinhalb bis fünf Zentimetern Länge auch schon nicht klein. Für einen Käfer. Zu sehen bekommt man den Heldbock allerdings nur selten, denn er ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Trotzdem kann man ihn mit etwas Glück in der Natur in Berlin sehen. Und das ist so ungewöhnlich, dass mancher Tierfreund sogar nachts in den Park geht, um ihm zu begegnen.

Der Heldbock wohnt in alten Eichen

Im Schlosspark Niederschönhausen hat der Heldbock einen Rückzugsort gefunden, wahrscheinlich deshalb, weil er dort genau das findet, was er zum Leben braucht: absterbende uralte Stieleichen, Buchen oder Ulmen, die nicht zu dicht stehen und genug Sonne durchlassen. Diese Vorliebe macht Hutewälder und alte Parks, also Orte, an denen absterbende Bäume in Ruhe absterben dürfen, statt vorher beschnitten oder gefällt zu werden, zu geeigneten Lebensräumen für die Insekten.

Ich selbst habe bisher noch nie einen Heldbock gesehen, aber auf Käferpirsch war ich schon einige Male – kein absterbender Baum ist vor mir sicher, wenn wir im Wald unterwegs sind. Irgendwo im zerfallenden Holz könnte ja ein seltener Käfer sitzen…

Der Käfer bleibt seinem Baum treu

Weil der Heldbock, der übrigens auch als Großer Eichenbock bezeichnet wird, fast immer an dem Baum sitzt, an dem er geboren wurde, haben es Experten leichter, ihn zu finden. In warmen Nächten im Juni und Juli kann man den Käfer manchmal auch fliegen sehen, vor allem zwischen 20 und 22 Uhr. Dann sind sie unterwegs, um reifes Obst oder Eichensaft zu finden. Wer sie also sehen möchte, sollte genau dann kommen. Zum Beispiel am 21. Juni, wenn Thomas Ziska vom Nabu Berlin zu einer Führung im Schlosspark Niederschönhausen einlädt. Er weiß, wo der Heldbock wohnt, kennt die Lebensweise des eindrucksvollen Käfers und weist vielleicht auch auf das merkwürdige Geräusch hin, das das Männchen macht, wenn es zwei Brustsegmente aneinander reibt.

Larven fressen sich durchs Holz

Später legen die Weibchen die Eier in alte Eichenrinde. Daraus schlüpfen drei Wochen später die Larven, die sich dann durch das Holz hindurch fressen, bis sie sich fünf Jahre später im Hochsommer verpuppen und dann vier bis sechs Wochen später als fertige Käfer schlüpfen.

Der Heldbock liebt absterbende Bäume

Kein Wunder, dass die Population gefährdet ist – nur wenige absterbende Bäume dürfen so lange stehen bleiben. Eichen, die weniger als 80 Jahre alt sind, kommen als Lebensraum für die Insekten nicht in Frage. Deshalb werden Flächen, auf denen der Heldbock vorkommt, unter Schutz gestellt. Zum Glück!

Termin: 21. Juni ab 21 Uhr (Dauer: etwa eine Stunde), Treffpunkt Am Schlosspark/Ecke Ossietzkystraße (an der Pumpe). Tram M1 oder 50 bis Haltestelle Pankow Kirche. Bitte eine Taschenlampe mitbringen.

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