Hommage an die Berliner Luft, Luft, Luft

Paul-Lincke-Skulptur im Zeitungsviertel
Paul-Lincke-Skulptur im Zeitungsviertel Foto: Carsten E. Böttcher

Es gab mal einen Künstler, der von der Berliner Luft so begeistert war, dass er ihr sein berühmtestes Werk gewidmet hat. Der Mann hieß – Sie ahnen es schon, Paul Lincke. Seine Operette „Frau Luna“ ist berühmt, der Marsch „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ die unbestrittene Berliner Nationalhymne.

Ein Berliner auf dem Mond – und die Berliner Luft

Die Operette sagt, was jeder echte (und selbst der zugezogene) Berliner längst weiß: Auch wenn es ganz verlockend wäre, mal ein Weilchen bei Frau Luna oben auf dem Mond zu leben, ist es in Berlin ja eigentlich doch viel besser. Für die Berliner Luft gilt das heute nicht mehr unbedingt, aber das konnte Paul Lincke nicht wissen. Als er lebte, fühlte sich Berlin fast noch wie eine Kleinstadt an. Sozusagen. Wenn man es mit heute vergleicht jedenfalls.

Gedenktafel für Paul Lincke

Geboren wurde  Paul Lincke 1866 in Berlin-Mitte gleich neben der Jungfernbrücke, der ältesten noch erhaltenen Brücke der Stadt (erbaut etwa 1701). Danach war er hauptsächlich in Kreuzberg unterwegs. Adalbert- und Eisenbahnstraße, Lausitzer Platz und Friedrichstraße waren einige seiner Stationen. Er wirkte zum Beispiel im alten Metropol-Theater an der Behrenstraße (dem Ort, an dem heute die Komische Oper steht). An der Oranienstraße 64 erinnert heute eine Tafel an den 1946 verstorbenen Komponisten, der eine Zeitlang im Vorgängerbau gewohnt hatte. Etwas dichter an der Straße steht eine Büste Paul Linckes.

Operetten und Tänze

Wer davor steht, beginnt manchmal ganz automatisch, die „Berliner Luft“ vor sich hinzusummen – ob er es nun will oder nicht. Denn das Stück gehört zu den Werken, die ins Ohr krabbeln und dort sehr lange bleiben. Lincke bescherte der Menschheit neben „Frau Luna“ Operetten wie „Venus auf Erden“ oder „Prinzess Rosine“ und Tänze wie „Schenk‘ mir doch ein kleines bisschen Liebe“. Für die Musikexperten vielleicht nicht die ganz große Kunst, aber durchaus hörenswert. Wobei nichts von allem mit der „Berliner Luft“ mithalten kann.

Und was hat das Ganze mit Natur zu tun? Na, ist die Berliner Luft vielleicht keine Natur? Vielleicht nicht ganz taufrisch, sondern eher mit Diesel und anderen Aromen durchmischt, besonders an dieser Stelle – aber berühmt genug für eine eigene Hymne. Und das verdient durchaus eine Erwähnung in einem Berliner Naturblog. Wer mag, verbindet den Besuch bei Gedenktafel und Skulptur mit einem Spaziergang durchs nahe Zeitungsviertel. Richtig viel Grün gibt es auch dort nicht, aber dafür viel Geschichte. Und das ist ja auch was!


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