Hommage an die Stockente

Ich glaube, in Berlin gibt es keinen Teich, in dem keine Stockente wohnt. Auch im kleinsten Gewässer schwimmt sie, spaziert gelegentlich auch mal über Straßen und hat auch keine großen Probleme mit Menschen. Trotzdem ist sie etwas ganz Besonderes. Der Vogel, der in der Berliner Natur so häufig vorkommt, ist nämlich sozusagen die Ur-Mutter (oder der Ur-Vater) der Haus-Ente.

Überlebenskünstlerin: Die Stockente

Man sollte die Stockente nicht unterschätzen. Sie hat es geschafft, sich perfekt an ihre Umgebung anzupassen. Und kann eigentlich überall dort leben, wo es Wasser gibt. Sie hat wenig Ansprüche, was ihr Futter betrifft – auch das verschafft ihr einen Vorteil und ist einer der Gründe, warum sie eigentlich überall zu finden ist.

Das Prachtkleid des Erpels

Der Erpel ist mit seinem grünmetallisch glänzenden Kopf, der braunen Brust und dem leuchtend gelben Schnabel deutlich auffälliger als das Weibchen. Allerdings trägt er das bunte Federkleid nicht das ganze Jahr über: Im Juli und August passt er sich farblich dem Weibchen an.

Balzen als Gruppen-Vergnügen

Eine Lieblingsbeschäftigung der männlichen Stockenten scheint die Balz zu sein. Los geht sie im Herbst, und dann am liebsten in der Gruppe. Gebalzt wird bis zum Frühling, und dann wird das Spiel sehr ernst – mit Attacken gegen die Geschlechtsgenossen.

Ihren Namen verdankt die Stockente übrigens ihrer Angewohnheit, ihr Nest zwischen den Stöcken zurückgeschnittener Weiden zu bauen. Das tun allerdings längst nicht alle.

Warum Stockenten-Füße nicht auf Eis festfrieren

Wie sie es schaffen, den Winter im Wasser zu überleben?  Ihr Federkleid ist sehr dicht und hat wärmeisolierende Luftschichten zwischen den einzelnen Federn. Außerdem produzieren die Vögel ein Fett, mit dem sie ihre Federn sozusagen imprägnieren. Dass ihre Füße auf einer Eisschicht nicht festfrieren,  liegt daran, dass sie eine Art Wärmetauscher in den Beinen haben. Die Füße sind bei Enten immer kalt, was Energie spart und gleichzeitig das Festfrieren verhindert. Das erklärt auch, warum menschliche Zungen an gefrorenen Metallstangen festfrieren (ein beliebter Schulhofspaß, der allerdings sehr schmerzhaft enden kann).

Übrigens sind Stockenten ziemliche Schwergewichte, die schon mal anderthalb Kilo auf die Waage bringen. Ich habe mal eine hochgehoben, die wohl von einem Hund auf eine Straße gehetzt worden war und apathisch mitten auf der Fahrbahn saß. Sie wollte nicht wirklich gerettet werden, aber irgendwann saß sie wieder im Park. Weit weg von Autoreifen. Hoffentlich hat sie das Abenteuer mit dem Hund und später mit mir überlebt…

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2 thoughts on “Hommage an die Stockente”

  1. Ein sehr schöner Artikel und ein gelungenes Foto!

    Nach meinen Erfahrungen fallen die Gewichte der Stockenten recht unterschiedlich aus; ein Wunder, dass sie damit noch fliegen können.

    Gruß Kay Fischer, Entenflüsterer, Berlin

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