Meisterin der Täuschung: die Hornissenschwebfliege

Hornissenschwebfliege
Hornissenschwebfliege Foto: Silke Böttcher

Vor ein paar Tagen ist mir eine Hornissenschwebfliege begegnet. Ein großes Insekt, das einer Hornisse so ähnlich sieht, dass man zweimal hinsehen muss. Für mich als Laie war es nicht ganz einfach, es zu bestimmen. Aber sie hielt lange genug still, um sie fotografieren zu können.

Die Hornissenschwebfliege ist nicht mit der Hornisse verwandt

Die Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria), auch als Große Waldschwebfliege bekannt, gehört zur Ordnung der Zweiflügler und zur Unterordnung der Fliegen – mit der Hornisse ist sie nicht verwandt. Aber sie imitiert deren Aussehen so perfekt, dass Fressfeinde einen Bogen um sie machen. Dass sie einen Stachel fürchten, den die Schwebfliege gar nicht hat, wissen sie nicht. Diese Eigenart der Natur, andere, wehrhafte Tiere zu imitieren, um sich selbst zu schützen, nennt man Mimikry.

Großes Insekt

Die Hornissenschwebfliege wird bis zu 2,2 Zentimeter lang. Sie ist schwarz-gelb gefärbt, am Hinterleib trägt sie zwei schwarze Binden (das unterscheidet sie von der sonst sehr ähnlichen Gebänderten Waldschwebfliege, die drei schwarze Binden am Hinterleib hat). Ihr Kopf ist gelb, die Facettenaugen sind rostbraun. Das Schildchen auf dem Rücken ist ebenfalls rostbraun und glänzend.

Vorliebe für Doldenblütler

Unterwegs ist die Fliege zwischen Mai und September – und meist sieht man sie an Doldenblütlern. Sie bevorzugt ungemähte Wiesen in der Nähe von Wäldern, auf denen Pflanzen wie Baldrian, Skabiosen und Ligustersträucher wachsen. Während Schwebfliegen allgemein ziemlich verbreitet sind, sind die Chancen, die Hornissenschwebfliege zu sehen, nicht sehr groß, denn in Mitteleuropa ist sie sehr selten, sie steht auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten.

Larven entwickeln sich in Hornissen-Nestern

Eine Verbindung zu Hornissen, die über die Ähnlichkeit hinausgeht, gibt es übrigens doch: Die Larven der Hornissenschwebfliege entwickeln sich in den Nestern von Wespen und Hornissen –   die Schwebfliegenweibchen legen die Eier an der Nestwand ab. Wie es gelingt, die Nestbewohner davon abzuhalten, die Eier und später die Larven zu töten, ist unbekannt. Aber die Larven revanchieren sich für die Gastfreundschaft: Sie fressen die Abfälle unter den Nestern und ernähren sich von toten bzw. sterbenden Insekten im Nest. Die Larven verpuppen sich in der Erde, wo sie überwintern. Im nächsten Frühling schlüpfen.

Die Hornissenschwebfliege brummt wie ein Käfer

Spannend finde ich auch, dass die Hornissenschwebfliege nicht lautlos fliegt (andere Schwebfliegenarten tun das) – das Exemplar auf dem Foto brumme jedenfalls wie ein großer Käfer. Vielleicht gehört auch das zum Täuschungsmanöver dazu….

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