Klänge und Echos im Reinwasserbehälter

Alejandro Blau am Didgeridoo im Reinwasserbehälter Foto: Silke Böttcher
Alejandro Blau am Didgeridoo im Reinwasserbehälter Foto: Silke Böttcher

Ein bisschen unheimlich ist es schon in diesem Raum tief unter der Erde. Der Reinwasserbehälter im Ökowerk hat keine Fenster, keine Heizung, aber dafür das perfekte Echo. Den Mauern entgeht nichts, kein Flüstern, kein Scharren, kein Rascheln. Sämtliche Geräusche wiederholen sich unzählige Male und erfüllen den Raum mit einer Kakophonie aus Geräuschen. Wie sich das anfühlt, kann man jetzt erleben.

Schlurfen, Wispern und Zischen im Reinwasserbehälter

Als ich den Reinwasserbehälter zum ersten Mal betreten habe, war ich sprachlos. Und habe danach – wie alle anderen auch – Geräusche gemacht. Dieser Raum macht Erwachsene wieder zum Kind, man kann einfach nicht anders. Zu sehen gibt es aber auch einiges. Denn der Reinwasserbehälter besteht aus drei Kammern, die durch schmale Röhren miteinander verbunden sind. Entstanden ist der Behälter, der 2900 Kubikmeter Trinkwasser aufnehmen kann, zwischen 1890 und 1892, er ist Teil des ehemaligen Wasserwerkes Teufelssee.  Bis 1968 haben gewaltige Maschinen große Mengen Wasser aus der Erde gepumpt, die dann im Reinwasserbehälter aufbewahrt wurden – zur Versorgung der Villensiedlung Westend. 1969 wurde das Wasserwerk stillgelegt, um 16 Jahre später wieder zu eröffnen – das Ökowerk war geboren. Ein Paradies für alle, die die Natur lieben. Wasser blieb ein wichtiges Thema auf dem Gelände des Industriedenkmals, und deshalb ist der Reinwasserbehälter, der mit einer dicken Schicht Erde bedeckt ist und von oben wie eine Wiese aussieht, auch ein wichtiger Bestandteil.

Platz für 2900 Kubikmeter Wasser

Wenn man unten steht und dabei ist, sich an die frischen acht Grad (im Sommer fühlt sich das so richtig eisig an) zu gewöhnen, staunt man über die Dimensionen des mittleren der drei Räume, der über eine Metalltreppe betreten wird. 2900 Kubikmeter Wasser ist eine Zahl, aber wenn man mitten drinsteht, dann wird klar, welch ungeheure Menge das sein muss. Die Wände zeigen noch Spuren davon. Mächtige Säulen stützen den hohen Raum, der ein bisschen an eine fensterlose Kathedrale erinnert.

Konzerte im Reinwasserbehälter

Wenn schon die kleinsten Geräusche so eindrucksvoll widerhallen – wie muss erst Musik darin klingen? Ich habe mal ein Konzert des Didgeridoo-Spielers Alejandro Blau darin erlebt und fand den Klang atemberaubend. Jeder Ton hallt nach, füllt den Raum, verebbt dann wieder und macht einem neuen Ton Platz. Absolut großartig. Auch Konzerte mit Obertongesang sind regelmäßig zu hören.

Führung mit Echo am 15. Dezember

Einen Eindruck von der Klangkraft des Reinwasserbehälters kann man am 15. Dezember bekommen. Dann nämlich gibt es eine unterirdische Erlebnistour durch das alte Wasserwerk. Neben Blicken ins Innere des Schornsteins kann man in den Sammelbrunnen gucken und außerdem feststellen, wie viele Echos im Reinwasserbehälter zu hören sind.

Termin und Adresse: 15. Dezember, 12.30-14 Uhr. Bitte Taschenlampe mitbringen und alte Kleidung tragen. Kosten 3, Kinder 2, Familien 7 Euro. Ökowerk, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin. www.oekowerk.de

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