Kletterkünstlerin mit Bodenhaftung

Ackerwinde Foto: Silke Böttcher
Ackerwinde Foto: Silke Böttcher

Irgendwo habe ich mal einen Spitznamen für Windengewächse gelesen, den ich sehr schön fand: Morning Glory. Ich finde, der Name passt zu den zarten Blüten, die nur aufgehen, wenn es nicht regnet. In Berlin sind zwei Arten der Winde besonders häufig zu sehen – die kletternde Zaunwinde mit ihren großen weißen Blütenkelchen und die Ackerwinde mit ihren deutlich kleineren Blüten, die zwar auch kriecht, aber am Boden bleibt, wenn sie nichts zum Hochranken findet. Und um sie geht es auch in dieser Geschichte.

Die Ackerwinde liebt Schuttflächen

Die Bezeichnung „Winde“ erklärt sich eigentlich von selbst, denn die Pflanze windet sich tatsächlich auf Wiesen, in Gärten und auf trockenen Schuttflächen am Boden entlang und an anderen Gewächsen hoch. Dabei ist sie erstaunlich schnell – man kann ihr beim Winden beinahe zusehen. Manchmal braucht sie nur zwei Stunden, um sich um eine andere Pflanze zu wickeln. Diese Eigenschaft macht sie bei Gartenbesitzern und Landwirten eher unbeliebt, denn diese anderen Gewächse können durchaus auch Nutzpflanzen sein, die dadurch nicht mehr ganz so schnell wachsen können.

Beliebter Nektar-Lieferant

Ernsthaften Schaden richtet die Ackerwinde aber nicht an – im Gegenteil: Dort, wo sie wächst, sind reichlich Bienen, Käfer und Schmetterlinge unterwegs, die ihren Nektar sehr lieben. Allerdings sollte man die Pflanze als Gartenbesitzer im Auge behalten, denn sie hat so einige Tricks, um sich unterirdisch auszubreiten.

Sie blüht nur einen Tag

Die Blütezeit der Ackerwinde reicht von Juni bis in den Oktober hinein, und auch beim Blühen ist sie sehr schnell: Jede Blüte ist nur einen Tag lang, meist sogar nur für wenige Stunden am Vormittag geöffnet, sie hält es wie der Wiesenbocksbart, der im Frühling blüht. Auch deshalb wird die Ackerwinde manchmal gar nicht bemerkt – bevor man am Sonntag richtig aufgestanden ist, hat sie den Blütenkelch schon wieder geschlossen. Ein paar Wochen später entstehen die Samenkapseln, die hauptsächlich durch Tiere verbreitet werden.

Die Ackerwinde als Heilpflanze

Früher wurde die Ackerwinde auch als Heilkraut gegen Verstopfung und Gallenschwäche eingesetzt, aber weil sie leicht giftig ist, sollte man damit vorsichtig sein. Sogar mit schwarzer Magie und Hexerei wurde sie wegen ihrer psychoaktiven Wirkstoffe schon in Verbindung gebracht. Ob es stimmt? Wer weiß…

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