Knorriger Baumbewohner: der Zunderschwamm

Zunderschwamm, Pilz
Zunderschwamm Foto: Silke Böttcher

Der Zunderschwamm ist einer der auffälligsten Pilze im Wald. Vor ein paar Tagen habe ich im Forst Düppel einen toten Baum gesehen, der von den Schwämmen (und Moos) geradezu übersät war. Ein eindrucksvoller Anblick!

Der Zunderschwamm lebt auf älteren Bäumen

Der knubbelige Pilz sitzt vor allem an älteren Rotbuchen und Birken – man sieht ihn hauptsächlich in älteren Wäldern. Er ist ein Schwächeparasit, das heißt, er befällt lebende Bäume und schwächt sie langsam, bis sie absterben. Meist nutzt er Wunden am Ast oder Stamm, um sich anzusiedeln. Innen verursacht er dann die sogenannte Weißfäule, durch die das Holz faserig (und weiß) wird und die Stabilität verliert. Von dem Substrat, das auch noch im Totholz enthalten ist, ernährt sich der Pilz

Sporen werden mit dem Wind verbreitet

Die befallenen Bäume brechen häufig an irgendeiner Stelle ab. Interessant ist, dass Zunderschwämme, die an einem umgestürzten Baum hängen, ihre Wachstums-Richtung ändern – und so dafür sorgen, dass sie weiterhin mit der Unterseite zum Boden wachsen. Das ist deshalb wichtig, weil die reifen Sporen die Schwerkraft nutzen, um aus den Röhren zu fallen, und das klappt nur, wenn die Röhren genau senkrecht stehen. Zwischen März und Juni sieht man manchmal weißen Staub auf den Pilzen  – das sind die Sporen, die mit dem Wind verbreitet werden.

Ringe zeigen das Wachstum an

Der Zunderschwamm ist an der Unterseite meistens flach und ragt hutförmig nach oben. Seine Farbe ist graubraun, ältere Exemplare können auch schwarz sein. Wer genau hinguckt, erkennt Ringe, die die Wachstumsperioden des Schwamms anzeigen. Der Pilz selbst ist außen sehr fest, innen hat er ein weiches Geflecht.

Woher der Schwamm seinen Namen hat

Seinen Namen verdankt der Pilz seinem Fruchtkörperfleisch, der Trama, die man früher zu Zunder verarbeitet hat. Es war ein komplizierter Prozess mit Zerschneiden, Kochen, Trocknen und Weichklopfen. Am Ende wurden die so entstandenen Platten mit Salpeter getränkt und mit Hilfe eines Feuersteins zum Glimmen gebracht. Der so verarbeitete Zunderschwamm war also sozusagen das Streichholz unserer Vorfahren.

Lieferant für Kleidung und Wundverbände

Und es gab noch mehr Verwendung für den Schwamm. Man schnitt Scheiben aus dem Inneren des Pilzes heraus und machte daraus ein juchtenlederähnliches Material, das Rohstoff für Kleidungsstücke war. Als Wundverband wurde der Zunderschwamm ebenfalls eingesetzt – denn unsere Vorfahren wussten, dass er blutstillende Eigenschaften hat. Früher konnte man den Pilz deshalb als „fungus chirurgorum“ (Wundschwamm) in der Apotheke kaufen.

Der Zunderschwamm braucht alte Wälder

Richtig häufig ist der Pilz übrigens nicht. Denn er braucht alte und schwache Bäume zum Wachsen. Heute aber lässt man Wäldern oft nicht die Zeit, alt zu werden und entfernt geschwächte Bäume, bevor sie von den Pilzen besiedelt werden können. Auch intensive Landwirtschaft und Absenkung des Grundwassers lassen den Zunderschwamm  vielerorts verschwinden.

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