Lein – ein himmelblaues Multitalent

Lein Foto: Silke Böttcher
Lein Foto: Silke Böttcher

Die Pflanzenart auf dem Foto, der Lein, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Schon vor 10.000 Jahren wurde sie genutzt. Aber das heißt nicht, dass man sie in der Natur sofort erkennt. Lein ist  nämlich ein bisschen unscheinbar und braucht einen zweiten Blick. In Berlin kann man ihn gelegentlich sehen. Große Ansprüche an den Boden stellt der Lein nicht, bloß Nässe von unten mag er nicht. Das Foto ist auf einer Sommerwiese im Freizeitpark Marienfelde entstanden.

Lein gibt es in 200 Arten

Ungefähr 200 Leinarten gibt es auf der Welt, die wohl bekannteste ist der Gemeine Lein, der auch als Flachs bekannt ist – eben jene Art, die schon so lange als Kulturpflanze genutzt wird. Sie wird bis zu einen Meter hoch, hat einen dünnen Stängel und vergleichsweise große himmelblaue Blüten mit fünf Blütenblättern. Nach der Blüte zwischen Juni und August bildet sie dicke braune Kapseln, in denen exakt zehn Samen stecken.

Naturgewebe aus Leinfasern

Die Einsatzgebiete des Leins sind unglaublich: Die Fasern werden zu einem bekannten Naturgewebe verarbeitet: zu Leinen. Das wussten schon die alten Ägypter, die die Leintücher so schätzten, dass sie  wohlhabende Verstorbene in das Gewebe hüllten. Und heute ist der Stoff, der dekorative Falten bildet, beliebt als Material für Jacken und Sommerhosen.

Gesunde Leinsamen

Aber Lein ist auch eine wertvolle Heilpflanze. Die braunen, angenehm nussig schmeckenden Leinsamen und das in ihnen enthaltene Fett (Leinöl)  werden in der Küche und als Heilmittel eingesetzt. Die Samen enthalten eine große Menge an mehrfach ungesättigter Omega-2-Fettsäure, außerdem die Vitamine B1, B2, B6, E, Nicotin-, Fol- und Pantothensäure, Eiweiß, Lecithin und Schleimstoffe, die man sofort spürt, wenn man die Samen in Wasser einweicht. Diese Stoffe machen Leinsamen zu einem natürlichen Abführmittel. Die Naturmedizin setzt die Samen auch als Tee (Samen einfach aufbrühen) gegen Harnwegsinfekte ein und als Umschlag gegen Husten und Entzündungen.

Was wären Kartoffeln und Quark ohne Leinöl?

Das Leinöl gehört zu den wertvollsten Pflanzenölen (und leider kurzlebigsten) überhaupt. Manche genießen es pur – ein Löffel pro Tag soll Herzinfarkten vorbeugen. Das extrem leckere Öl ist aber auch eine absolut notwendige Zutat für Pellkartoffeln mit Quark. Außerhalb von Hausapotheke und Küche wird es als kosmetischer Zusatz, als Bindemittel für Ölfarben und als natürlicher Holzschutz genutzt. Wenn also das Leinöl aus der Küche seinen frischen Geschmack verloren hat, kann man es wunderbar noch zum Polieren wertvoller Holzmöbel benutzen. Ganz schön viele Fähigkeiten für eine so unscheinbare Pflanze, oder?

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