Libellen – zarte Geschöpfe am See

Ich kenne kaum eine Tierart, die so zart ist wie die Libelle. Ihre Flügel wirken wie aus hauchdünnem Glas gefertigt, und der schlanke Körper mit dem großen Kopf und den eindrucksvollen Facettenaugen sitzt auf sechs langen, dünnen Beinen. Die Tiere bewegen sich elegant wie Tänzer in der Luft – es ist schwer, ihnen nahe genug zu kommen, um ein Foto zu machen. 58 Libellenarten gibt es in Berlin, in der Brandenburger Natur sind es  66. Und sie haben so schöne Namen wie Spitzenfleck, Plattbauch, Feuerlibelle oder Kleine Moosjungfer.

Wenn zwei Libellen ein Herz bilden

Eine Libellenart, die man in Berlin noch relativ häufig sehen kann, ist die Blaue Federlibelle. Oft  hat man nur eine Ahnung von etwas Hellblauem, wenn sie vorbeifliegt – und schon ist sie wieder verschwunden. Das zierliche Geschöpf misst nur etwa dreieinhalb Zentimeter, aber  seine Flügelspannweite ist mit viereinhalb Zentimetern schon eindrucksvoll.

Häufige Art: Blaue Federlibelle

Am ehesten kann man der Blauen Federlibelle, die auch als Gemeine Federlibelle bezeichnet wird, in der Nähe von Wasser begegnen. Dort, wo es reichlich Wasserpflanzen gibt, also an stehenden oder langsam fließenden Gewässern mit ausreichend Gebüsch und Röhricht drumherum, fühlt sie sich am wohlsten. Eine enge Beziehung hat das Insekt zu gelben Teichrosen, an denen es die Eier ablegt. Manchmal kann man zwei Libellen bei der Paarung sehen – sie sind am Hinterleib miteinander verbunden und bilden ein Herz!

Die Blaue Federlibelle auf Mückenjagd

Die Larven der Federlibelle ernähren sich unter Wasser von Mückenlarven und Wasserflöhen, die ausgewachsene Libelle jagt nach Fliegen, Mücken und anderen Insekten. Gleichzeitig wird sie häufig Beute von Vögeln, Fröschen und größeren Insekten.

Tautropfen auf den zarten Libellen-Flügeln

Wind mag die Libelle nicht – sie würde wohl einfach weggeweht werden. Auch gemähte Wiesen drumherum  meidet sie, denn dort findet sie keine Deckung vor Fressfeinden. Wer das schöne Insekt sehen möchte: Noch bis in den September hinein ist die Federlibelle unterwegs.

Manchmal auch länger: Ich habe mal das Foto einer Libelle gesehen, deren Flügel mit winzigen Tautropfen bedeckt waren. Nachts hatte es offenbar Frost gegeben und das Insekt war davon überrascht worden. Aber die Geschichte, so der Fotograf, hatte ein Happy-End:  Die Morgensonne war warm genug, um die Libelle wieder aufzutauen. Nach einer Weile flog sie davon.

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